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Ausgabe 3/2021

Ein Jahr Coronapandemie auf europäischer Ebene

Der 24. Januar 2020 hat das Leben der Bürgerinnen und Bürger in der Europäischen Union schlagartig verändert: An diesem Tag wurde der erste Fall einer Infektion mit COVID-19 in Europa gemeldet. Seitdem ist etwas mehr als ein Jahr vergangen, doch gewinnt man den Eindruck, dass die Corona-Pandemie den Alltag und die Lebensentwürfe der Menschen bereits bedeutend länger prägt.

Nachrichten aus Brüssel | © Adobe Stock/somartin
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Was hat sich in den vergangenen zwölf Monaten in der Europäischen Union getan? Zurückblickend betrachtet gab es auf europäischer Ebene schon früh abgestimmte Reaktionen auf die Auswirkungen der raschen Ausbreitung von COVID-19 in den Mitgliedstaaten. Im Februar und März 2020 standen zuerst die Beschaffung und Produktion von medizinischer Ausrüstung im Vordergrund. Für die Erarbeitung von Leitlinien für wissenschaftlich fundierte, koordinierte Maßnahmen setzte die Europäische Kommission Mitte März einen COVID-19-Beratungsstab mit Fachleuten der Bereiche Epidemiologie und Virologie aus verschiedenen Mitgliedstaaten ein und etablierte im April die europäische COVID-19-Datenplattform für den Austausch von Forschungsdaten.

In den folgenden Monaten wurden Leitlinien für Coronavirus-Testmethoden sowie Schnelltests ebenso entwickelt wie eine europäische Strategie für die rasche Entwicklung, Herstellung und Verbreitung eines Corona-Impfstoffs. Die Europäische Union hat außerdem im Rahmen des Forschungsprogramms Horizont 2020 und anderer EU-Programme Mittel für Behandlungen, Therapeutika und Diagnostika zur Verfügung gestellt. Im Dezember einigten sich schließlich das Europäische Parlament und der Rat auf das europäische Gesundheitsprogramm EU4Health. Daneben war es übereinstimmende Haltung auf europäischer Ebene wie in den Mitgliedstaaten, dass es ohne die Entwicklung eines Impfstoffs keinen Weg aus der Krise geben wird. Die Schnelligkeit, mit der dies dann geschehen ist, ist bislang ohne Vorbild.

Die Europäische Kommission unterzeichnete im August 2020 im Namen aller Mitgliedstaaten mit dem britisch-schwedischen Konzern AstraZeneca als erstem Pharmaunternehmen einen Vertrag über den Erwerb eines Impfstoffs, weitere Verträge mit Pharmaunternehmen wie beispielsweise BioNTech/Pfizer folgten. Im Wettlauf der Impfstoffentwicklung konnte die Vakzine von BioNTech am 21. Dezember des vorigen Jahres als erste die Zulassung durch die Europäische Arzneimittelagentur erhalten. Im Januar darauf folgten Moderna und AstraZeneca; letztere unter der Einschränkung, eine Eignung für die Verwendung bei über 65-Jährigen nicht ausreichend in den Studien belegt zu haben.

Damit ist eine echte Perspektive entstanden, die Krise zu überwinden und schrittweise in ein normales Leben zurückzukehren. Aber das kommt in der zwischenzeitlich teilweise aufgeregten öffentlichen Diskussion um schleppende Lieferungen, nicht eingehaltene Vertragszusagen und die Qualität der Impfstoffe häufig zu kurz. Die Impfungen gegen COVID-19 sind am 27. Dezember 2021 in der gesamten Europäischen Union angelaufen. Diesen großen Erfolg darf man nicht aus den Augen verlieren.

Ein Jahr Corona – das heißt auch ein Jahr lernen und sich immer wieder neu aufstellen. Die aktuelle portugiesische Ratspräsidentschaft hat sich zu Recht die Weiterentwicklung der Impfstrategie der Europäischen Union als einen der wichtigsten Punkte auf die Agenda geschrieben. Der Weg aus dem Lockdown wird sich schrittweise an den sich ändernden Bedingungen durch fortschreitende Impfungen, aber auch den verstärkten Einsatz von Antigen-Schnelltests orientieren müssen. Vor diesem Hintergrund liefert die gegenseitige Anerkennung von COVID-19-Schnelltests und ihren Ergebnissen, auf die sich die Europäische Kommission und die Mitgliedstaaten am 17. Februar verständigt haben, ein ermutigendes Signal.

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