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Ausgabe 1/2026

Orientierung in der Vielfalt digitaler betrieblicher Gesundheitstools

Digitale Tools bereichern zunehmend das Betriebliche Gesundheitsmanagement. Doch welche Anwendungen sind qualitativ geeignet, sicher und praxistauglich? Eine neue DGUV Information bietet Orientierung bei der Auswahl und Bewertung digitaler Anwendungen im Präventionsfeld „Gesundheit bei der Arbeit“.

Key Facts

  • Digitale Gesundheitsanwendungen bieten Chancen, bringen aber auch Herausforderungen für ein Betriebliches Gesundheitsmanagement mit sich
  • Qualitätskriterien helfen bei der Auswahl geeigneter Tools
  • Die DGUV Information 206-058 bietet eine praxisorientierte Checkliste, die Transparenz, Datenschutz, Technik, Inhalte und Gebrauchstauglichkeit bewertet

Digitale Technologien verändern die Arbeitswelt und eröffnen auch neue Möglichkeiten, um die Gesundheit bei der Arbeit zu stärken. Gesundheits-Apps, Wearables oder webbasierte Coachings werden zunehmend im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements eingesetzt.

Laut einer Studie des Instituts für Betriebliche Gesundheitsberatung (IFBG), der Techniker Krankenkasse und der Haufe Group aus dem Jahr 2025 verwenden bereits 42,3 Prozent der befragten Unternehmen und Einrichtungen des Öffentlichen Dienstes bundesweit digitale Angebote der Betrieblichen Gesundheitsförderung (BGF).[1] Die Bandbreite reicht von einzelnen Anwendungen bis hin zu umfassenden Komplettsystemen für das Betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM). 

Vorteile und Herausforderungen 

Digitale Tools bieten viele Vorteile. Sie ermöglichen eine orts- und zeitunabhängige Nutzung, sind niedrigschwellig und sprechen Beschäftigte durch interaktive oder spielerische Elemente an.[2] Die Tools berücksichtigen persönliche Bedürfnisse, können die individuelle Gesundheitskompetenz stärken und gesundheitsgerechtes Verhalten im Arbeitsalltag erleichtern – etwa durch Erinnerungen an Pausenübungen bei überwiegend statischen Tätigkeiten oder durch Stress-Checks und gezielte Tipps.

Auch BGM-Verantwortliche können sich bei der Umsetzung eines BGM von digitalen Tools unterstützen lassen: BGM-Komplettsysteme erfassen Teilnahmezahlen, Fehlzeiten oder erfragen Arbeitsbelastungen. Sie erleichtern die Dokumentation und Organisation von Prozessen und bieten Möglichkeiten für die Evaluation.

Gleichzeitig sind Herausforderungen zu beachten. Technische Probleme, fehlerhafte Inhalte oder mangelhafte Akzeptanz bei den Beschäftigten können die Wirksamkeit einschränken. Daten könnten missbraucht werden und Fehler beim Gebrauch auftreten.[3] Besonders kritisch ist der Umgang mit sensiblen Gesundheitsdaten – hier sind Datenschutz und IT-Sicherheit gefragt. Zudem existierten bereits im Jahr 2015 weltweit „mehr als 160.000 Digital-Health-Anwendungen für mobile Endgeräte und unzählige gesundheitsbezogene Web-Anwendungen“.[4]  

DGUV Information als Orientierungshilfe

Welche dieser vielen Tools sind nun qualitativ hochwertig, datenschutzkonform und tatsächlich geeignet, gesundheitsbezogene Ziele im Betrieb zu unterstützen? Welche Kriterien sollten bei der Auswahl und Einführung herangezogen werden?

Die „DGUV Information 206-058: Digitale Anwendungen im Präventionsfeld ‚Gesundheit bei der Arbeit‘ – eine Orientierungshilfe“[5] bietet hierfür Unterstützung. Sie stellt Qualitätskriterien in Form einer Checkliste bereit, mit der Organisationen Tools strukturiert bewerten können. Dabei konzentriert sie sich ausdrücklich auf Anwendungen im Präventionsfeld „Gesundheit bei der Arbeit“, die sich von medizinischen Apps abgrenzen, welche bereits durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) nach § 139e SGB V geprüft und im DiGA-Verzeichnis[6] gelistet sind.

Entwicklung der Checkliste

Grundlage der DGUV-Orientierungshilfe war eine umfangreiche, systematische Literaturrecherche.[7] Bestehende Qualitätskriterien für digitale Anwendungen im Bereich Sicherheit und Gesundheit aus verschiedenen Quellen wurden recherchiert – unter anderem:

  • die Qualitätskriterien des Leitfaden Prävention des GKV-Spitzenverbandes[8],
  • die häufig herangezogenen Qualitätskriterien von Albrecht[9] sowie 
  • das Gütekriterien-Kernset von Thranberend und Bittner[10].

Alle Qualitätskriterien wurden in einer Synopse erfasst und hinsichtlich ihrer Häufigkeit in allen Bewertungskatalogen, der Relevanz für den Bereich Gesundheit im Betrieb sowie der Erfüllung in den digitalen Anwendungen der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung gewichtet und auf den betrieblichen Kontext übertragen.

Die Checkliste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie soll als eine pragmatische Entscheidungshilfe dienen. Um die Anwendung zu erleichtern, wurden die Kriterien in drei Kategorien unterteilt:

  • Must-have: Mindestanforderungen, die ein Tool zwingend erfüllen sollte
  • Should-have: Kriterien, die die Praxistauglichkeit und Akzeptanz des Tools erhöhen
  • Nice-to-have: Zusatzmerkmale, die einen Mehrwert bieten können, aber nicht zwingend erforderlich sind

Aufbau und Anwendung der Checkliste

Die Bewertung erfolgt entlang von fünf zentralen Qualitätsdimensionen, die jeweils durch spezifische Kriterien und Indikatoren operationalisiert sind:

  • Transparenz: Bewertet wird, ob das Tool klare Informationen zu Zielsetzung, Zielgruppen, Kosten und Angebotsidentität bereitstellt. 
  • Datenschutz: Die sichere und transparente Verarbeitung personenbezogener Daten bezieht sich auf die Gewährleistung grundlegender Faktoren des Datenschutzes sowie die Einhaltung der individuellen Datenschutzvorgaben des Unternehmens. Bei Bedarf wird die Einholung von Expertise empfohlen. Die aufgelisteten Punkte zeigen gleichzeitig wesentliche Aspekte auf, die berücksichtigt werden sollten, wenn eine Prüfung durch Fachkräfte nicht möglich oder nicht gewünscht ist.
  • Technik und Interoperabilität: Hier geht es um die technische Zuverlässigkeit und die Kompatibilität mit bestehenden Systemen im Unternehmen. Auch Aspekte wie Barrierefreiheit und Updates werden berücksichtigt.
  • Qualität der Inhalte: Die bereitgestellten Informationen sollten fachlich fundiert, aktuell, evidenzbasiert und für die Zielgruppe verständlich aufbereitet sein. Dies betrifft sowohl Textinhalte als auch audiovisuelle Elemente.
  • Gebrauchstauglichkeit: Eine intuitive Bedienung, attraktive Gestaltung und niedrigschwelliger Zugang sind entscheidend für die Akzeptanz bei den Beschäftigten. Auch die Möglichkeit zur Individualisierung sowie Motivationselemente spielen eine Rolle. 

Je nach Ziel und Funktion der Anwendung – etwa Informationsvermittlung, Verhaltensförderung oder Monitoring – können einzelne Indikatoren unterschiedlich relevant sein. Die Checkliste ermöglicht eine flexible Gewichtung und unterstützt eine bedarfsgerechte Entscheidung. Durch ihre systematische Struktur bietet sie eine praktische Unterstützung für Unfallversicherungsträger im Beratungskontext und für Organisationen, die digitale Tools in ihr BGM integrieren möchten. 

DGUV Information

DGUV Information 206-058
Digitale Anwendungen im Präventionsfeld „Gesundheit bei der Arbeit“ – eine Orientierungshilfe

publikationen.dguv.de
Webcode: p206058

Fußnoten

  1. Institut für betriebliche Gesundheitsberatung (Hrsg.), #whatsnext2025 – Gesund arbeiten in herausfordernden Zeiten, 2025, S. 27, abgerufen 27.10.2025 https://www.ifbg.eu/wp-content/uploads/2025/06/Studienband_whatsnext_2025.pdf

  2. Papenhoff, M., Digitale Gesundheitsanwendungen – "Hit oder Hype"? In: DGUV Forum. Ausgabe 3/2022, abgerufen 27.10.2025 https://forum.dguv.de/ausgabe-3-2022/digitale-gesundheitsanwendungen-hit-oder-hype/

  3. Albrecht, U.-V. (Hrsg.), Chancen und Risiken von Gesundheits-Apps (CHARISMHA), Medizinische Hochschule Hannover, 2016, abgerufen 27.10.2025 https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/A/App-Studie/CHARISMHA_gesamt_V.01.3-20160424.pdf

  4. Knöppler, K., Martick, S., Transfer von Digital-Health-Anwendungen in den Versorgungsalltag. Teil 6: Transparenzmodell Digital-Health-Anwendungen – Grundlagen, Herleitung und Modell, S. 4, 2019, abgerufen am 27.10.2025 https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/publikationen/publikation/did/transfer-von-digital-health-anwendungen-in-den-versorgungsalltag-teil-6

  5. DGUV, DGUV Information 206-058: Digitale Anwendungen im Präventionsfeld „Gesundheit bei der Arbeit“ – eine Orientierungshilfe, abgerufen 27.10.2025 https://publikationen.dguv.de/regelwerk/dguv-informationen/5030/digitale-anwendungen-im-praeventionsfeld-gesundheit-bei-der-arbeit-eine-orientierungshilfe

  6. Aus dem Verzeichnis für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) können von Ärzten und Ärztinnen sowie Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen digitale Gesundheitsanwendungen zur Unterstützung bei Diagnose und Behandlung verordnet werden. Die Kosten übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung

  7. Stopperka, G.-M., Digitale Anwendungen im Bereich Sicherheit und Gesundheit – Recherche, Systematisierung und Aufbereitung von Klassifikationsmodellen und Qualitätskriterien. Bachelorthesis der Westsächsische Hochschule Zwickau, abgerufen 27.10.2025 https://libdoc.whz.de/opus4/frontdoor/deliver/index/docId/15515/file/Bachelorprojekt_40992_Stopperka.pdf

  8. GKV-Spitzenverband (Hrsg.), Leitfaden Prävention. Handlungsfelder und Kriterien nach §20 Abs.2 SGB V, 2021, abgerufen am 30.10.2025 https://lzg-bayern.de/files/Projekte/kgc-lrv/2021-02-07-leitfaden_praevention.pdf

  9. Albrecht, U.-V., Einheitlicher Kriterienkatalog zur Selbstdeklaration der Qualität von Gesundheits-Apps. Bern, 2019

  10. Thranberend, T., Bittner, J., AppQ 1.1. Gütekriterien-Kernset für mehr Qualitätstransparenz bei digitalen Gesundheitsanwendungen, Bertelsmann Stiftung, 2019, S. 8

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