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Ausgabe 1-2/2024

„Die Tätigkeit im Arbeits- und Gesundheitsschutz ist unheimlich sinnstiftend“

Dr. Sebastian Schneider arbeitet beim Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) in der Abteilung Sozialpolitik und ist dort für die Themen gesetzliche Unfallversicherung und europäische Arbeitsschutzpolitik zuständig. Seit November 2023 ist er Mitglied des Vorstandes der DGUV. Ein Gespräch über seine Erwartungen und Kernthemen.

Key Facts

  • In Vorstand und Ausschüssen werden Weichen gestellt für die Prävention und die Versorgung der Beschäftigten
  • Von guter Präventions- und Rehabilitationsarbeit profitieren nicht nur die Versicherten, sondern auch Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber
  • Digitalisierung, Fachkräftemangel und die Arbeitsschutzaufsicht sind wichtige Themen für die nächsten Jahre

Herr Schneider, warum engagieren Sie sich in der Selbstverwaltung der gesetzlichen Unfallversicherung und was sind Ihre Aufgaben?

Schneider: Für mein Engagement gibt es zwei Gründe. Einerseits bin ich beim Deutschen Gewerkschaftsbund für die Themen europäische Arbeitsschutzpolitik und gesetzliche Unfallversicherung zuständig. Hierfür ist es natürlich wichtig, dass ich über die Arbeit in den Selbstverwaltungsgremien der gesetzlichen Unfallversicherung informiert bin und mich auch aktiv einbringe. Andererseits ist es für mich persönlich eine Ehre und besondere Freude, mich in der BGW und der DGUV jeweils im Vorstand und den Ausschüssen für Rehabilitation zu engagieren. Hier werden wichtige Weichen gestellt für die Prävention und die Versorgung der Kolleginnen und Kollegen in den Betrieben. Ich möchte meinen Teil dazu beitragen, dass ihre Interessen Gehör finden.

Welche Erwartungen haben Sie an Ihre neue Tätigkeit in den Gremien in der DGUV?

Schneider: Ich freue mich vor allem auf den Austausch mit Kolleginnen und Kollegen aus den unterschiedlichsten Branchen.
Auch das breite Spektrum der behandelten Themen begeistert mich immer wieder aufs Neue. Zudem hoffe ich auf eine konstruktive und verlässliche Zusammenarbeit mit den Vertreterinnen und Vertretern der Arbeitgeber trotz manchmal unterschiedlich gelagerter Interessen. Denn von guter Präventions- und Rehabilitationsarbeit profitieren nicht nur die Versicherten, sondern auch die Arbeitgeber – gerade in Zeiten des Fachkräftemangels.

Welches sind nach Ihrer Einschätzung die größten Herausforderungen für die gesetzliche Unfallversicherung und welche Lösungsansätze sehen Sie?

Schneider: Hier sehe ich vor allem drei Themen. Das Schlagwort wird der Komplexität des Themas zwar nicht gerecht, aber die Digitalisierung wird auch die Arbeit (in) der gesetzlichen Unfallversicherung maßgeblich verändern – und tut dies bereits jetzt. Hierfür braucht die DGUV, und das ist mein zweiter Punkt, natürlich auch die entsprechenden Fachkräfte. Aber das gilt nicht nur für die DGUV, sondern für die Arbeitsschutzwelt insgesamt. Die Tätigkeit im Arbeits- und Gesundheitsschutz ist komplex und fordernd, aber auch interessant und unheimlich sinnstiftend. Dies gilt es in der Breite zu vermitteln und auch weiterhin für gesundheitsförderliche Arbeitsbedingungen einzustehen. Zu guter Letzt ist die Arbeitsschutzaufsicht ein Dauerbrenner. Nicht nur der Datenaustausch zwischen Unfallversicherungsträgern und Landesbehörden ist hier zu nennen, sondern auch die stetige Verbesserung und Effektivierung der Aufsichtstätigkeit insgesamt.

Das Interview führte Dr. Anna Kavvadias.

Dr. Sebastian Schneider ist neu in den Vorstand der DGUV gewählt worden. | © Justus Dreyling
Dr. Sebastian Schneider ist neu in den Vorstand der DGUV gewählt worden. Justus Dreyling

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