Echte Einblicke: Corporate Influencer bei der VBG
In einem Pilotprojekt setzt die VBG auf die stärkste Stimme, die sie hat: ihre eigenen Beschäftigten. Zwölf Corporate Influencer geben auf LinkedIn persönliche Einblicke in ihre vielfältigen Fachgebiete und Projekte. Der Ansatz: Menschen vertrauen Menschen – für eine authentische Kommunikation auf Augenhöhe.
Key Facts
- Corporate Influencer sind fest angestellte Mitarbeitende, die persönliche Einblicke in ihren Arbeitsalltag und ihre Fachexpertise auf Social Media teilen
- Mit einer bis zu achtmal höheren Reichweite gegenüber Unternehmenskanälen setzen Beschäftigte neue Maßstäbe in der digitalen Kommunikation
- Das Projekt stärkt die Außenwahrnehmung der VBG und macht die Unternehmenskultur greifbar
In einer Zeit, in der Informationen überall verfügbar sind und Künstliche Intelligenz Inhalte am laufenden Band produziert, rückt ein Element wieder ins Zentrum: die menschliche Authentizität. In sozialen Netzwerken zählen echte Orientierung und persönliche Erfahrungen mehr denn je. Auf LinkedIn zeigt sich dieser Trend deutlich: Posts von Mitarbeitenden generieren bis zu achtmal mehr Engagement als Unternehmensbeiträge.[1] Sie scheinen einen weitaus tieferen Austausch zu entfachen als rein sachliche Unternehmens-Accounts.
Genau hier setzt die VBG an. Seit dem vierten Quartal 2025 bricht das Unternehmen mit herkömmlichen Mustern und lässt die Menschen hinter den Kulissen sprechen. In einem Pilotprojekt wird Kommunikation zum Dialog auf Augenhöhe. Das Ziel: Die enorm vielfältige Themenwelt der VBG und ihre Werte durch echte Gesichter greifbar machen und sich dort positionieren, wo die Branche diskutiert.
Corporate versus klassische Influencer
Aber was sind Corporate Influencer eigentlich? Während klassische Influencer meist als selbstständige Personen agieren und ihre Reichweite als Geschäftsmodell nutzen, verfolgen Corporate Influencer ein völlig anderes Ziel. Sie sind keine externen Werbeträger, sondern fest angestellte Mitarbeitende, die ihre Fachexpertise und ihren Arbeitsalltag organisch in den digitalen Raum tragen.
Der entscheidende Unterschied lässt sich in drei Kernpunkten zusammenfassen:
- Authentizität: Klassische Influencer vermarkten oft in erster Linie Produkte oder Dienstleistungen. Corporate Influencer hingegen berichten authentisch über ihren Arbeitsalltag und Projekte. Wenn eine Präventionsexpertin der VBG über Arbeitssicherheit schreibt, tut sie das aus ihrer täglichen Praxis heraus – das schafft Vertrauen.
- Fachwissen statt Reichweite um jeden Preis: Während es für herkömmliche Influencer oft um die schiere Masse an Followern geht, zählt für die Corporate Influencer der VBG die Relevanz. Sie besetzen „Nischen“, die für die Versicherten und Mitgliedsunternehmen der gesetzlichen Unfallversicherung entscheidend sind. Ein fundierter Beitrag über Rehabilitation erreicht vielleicht weniger Menschen als ein Lifestyle-Video, dafür aber genau die richtige Zielgruppe.
- Identifikation statt Auftrag: Ein klassischer Influencer wechselt seine Kooperationspartner häufig. Corporate Influencer sind untrennbar mit dem Arbeitgeber verbunden. Sie identifizieren sich mit den Werten und Aufgaben ihrer Organisation – sie „sind“ die VBG in ihrem Netzwerk.
Die Vision hinter dem Pilotprojekt der VBG
Die Corporate-Influencer-Pilotgruppe der VBG besteht aus zwölf Kolleginnen, die ein großes Spektrum der VBG abbilden. Ob erfahrene Fachexpertinnen und Fachexperten, die tiefe Einblicke in ihre Projekte geben, oder Nachwuchstalente, die von ihrem Weg berichten – sie alle werden zu nahbaren Botschafterinnen ihrer Fachbereiche.
Hinter dem Corporate-Influencer-Pilotprojekt steht eine weitreichende Vision. Das Programm steigert die organische Reichweite und macht die Expertise der Beschäftigten dort sichtbar, wo Fachkreise nach Lösungen suchen. Gleichzeitig stärkt dieser Ansatz die Arbeitgeberattraktivität: Authentische Einblicke überzeugen Talente nachhaltig und machen die Unternehmenskultur erlebbar. Doch die Wirkung strahlt auch nach innen ab, indem sie Mitarbeitende abteilungsübergreifend verbindet und die Motivation durch neue Sichtbarkeit fördert. Nicht zuletzt erhöht ein solches Netzwerk aus glaubwürdigen Stimmen die Krisenfestigkeit der Organisation, da persönliche Profile in herausfordernden Zeiten als verlässliche und vertrauenswürdige Ankerpunkte fungieren.
Der Mehrwert des Pilotprojekts endet jedoch nicht bei der institutionellen Wirkung; er entfaltet sich ebenso auf der persönlichen Ebene der Corporate Influencer. Für die zwölf Teilnehmerinnen bietet das Programm die Chance, den eigenen fachlichen Austausch aktiv zu gestalten und wertvolle Netzwerke weit über die Grenzen der VBG hinaus aufzubauen. Diese neue Sichtbarkeit im digitalen Raum steigert nicht nur die Anerkennung der eigenen Expertise innerhalb der Branche, sondern fördert auch die interne Wertschätzung für die oft komplexen Fachgebiete.
Gleichzeitig fungiert das Projekt als Katalysator für die persönliche Entwicklung: Durch die gezielte Arbeit mit sozialen Medien bauen Corporate Influencer ihre digitalen und kommunikativen Kompetenzen konsequent aus – Fähigkeiten, die in einer modernen Arbeitswelt unverzichtbar sind. Zusätzlich eröffnet der Blick über den eigenen Schreibtischrand neue Perspektiven. Der Dialog mit anderen Expertinnen und Experten und die Resonanz der Community regen dazu an, die eigene Arbeit immer wieder aus neuen Blickwinkeln zu betrachten und innovative Impulse in den Berufsalltag zu integrieren.
Die Etablierung des Pilotprojekts
Ein Corporate-Influencer-Programm startet nicht mit dem ersten Post, sondern Monate zuvor. Bei der VBG war das Ziel von Anfang an klar: Es soll eine organische Bewegung aus der Mitte der Belegschaft heraus werden. Doch wie identifiziert man die richtigen Stimmen in einer Organisation mit tausenden Beschäftigten?
Der Weg führte über einen offenen Aufruf im Intranet. Das Kernteam – eine interdisziplinäre Allianz aus Öffentlichkeitsarbeit und Personal – suchte keine Social-Media-Profis, sondern Menschen mit Leidenschaft für ihr Fachgebiet. Am Ende kristallisierte sich schließlich die finale Pilotgruppe aus zwölf Personen heraus, die heute die thematische Vielfalt der VBG repräsentieren.
Bevor der erste Workshop stattfinden konnte, musste das Projekt organisatorisch fest im Unternehmen verankert werden. In der gesetzlichen Unfallversicherung spielen Themen wie Datenschutz, Rechtssicherheit und die Zustimmung der Führungsebene eine zentrale Rolle. Hier wurde nichts dem Zufall überlassen, um das Pilotprojekt auf ein rechtssicheres und akzeptiertes Fundament zu stellen.
Zudem galt es, Hürden proaktiv abzubauen. Durch die enge Abstimmung mit Abteilungen wie Recht und Datenschutz wurden potenzielle Stolpersteine identifiziert, noch bevor sie zum Problem werden konnten. Ziel war es, den Teilnehmerinnen maximale Sicherheit zu geben, damit sie sich ohne bürokratische Sorgen voll auf ihre Inhalte konzentrieren können.
Um die Authentizität auf LinkedIn zu erhalten, verzichtet die VBG auf starre Freigabeprozesse. Stattdessen dienen moderne Social-Media-Guidelines und die im Workshop vermittelten Kenntnisse als Orientierung. Sie geben Sicherheit bezüglich der fachlichen Sorgfalt und des Neutralitätsgebots, lassen aber genug Raum für die individuelle „Stimme“ der Corporate Influencer. Die Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit berät und unterstützt die Corporate Influencer, wenn es darüber hinaus Fragen gibt.
Der Kick-off-Workshop für Corporate Influencer
Den Startschuss für die aktive Phase bildete ein intensiver, ganztägiger Onboarding-Workshop. Hier trafen die zwölf Corporate Influencer erstmals als feste Gruppe zusammen. In dieser Session ging es um weit mehr als nur die Bedienung der LinkedIn-Oberfläche.
Expertinnen aus der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit sowie ein externer Employer-Branding-Experte vermittelten wertvolles Wissen zu Personal Branding, Content-Strategie und dem Umgang mit der Community auf LinkedIn. Die Teilnehmerinnen lernten, wie sie komplexe Fachthemen in packende Storys übersetzen, ohne die fachliche Tiefe zu verlieren. Dieser geschützte Raum zum Ausprobieren war essenziell, um die „Hürde des ersten Klicks“ gemeinsam zu nehmen und ein Wir-Gefühl innerhalb der Gruppe zu etablieren.
Das Engagement ist offiziell als Arbeitszeit mit einer Stunde pro Woche definiert. Dies umfasst zwei eigene Beiträge pro Monat sowie die aktive Interaktion auf der Plattform. Entscheidend für den Erfolg ist auch die interne Community: Über eine Chat-Gruppe vernetzen sich die Corporate Influencer, tauschen Best Practices aus und unterstützen sich gegenseitig. Dieser gemeinschaftliche Ansatz sorgt dafür, dass die Begeisterung über die gesamte Laufzeit des Pilotprojekts stabil bleibt.
Strategische Learnings aus der Pilotphase
Anfang Mai 2026 wurde die sechsmonatige Testphase des Pilotprojekts erfolgreich abgeschlossen. Das Fazit der Geschäftsführung und der beteiligten Akteure fiel eindeutig aus: Die Initiative wird verstetigt und langfristig in die Linienorganisation der VBG überführt. Aus der Testphase lassen sich vier zentrale Erkenntnisse für die künftige Kommunikation ableiten:
Vertrauen durch Freiraum: Authentizität lässt sich nicht verordnen. Ein zentrales Learning ist das Prinzip „Leitplanken ja, Kontrolle nein“. Nur wenn Corporate Influencer ihre eigene Stimme nutzen, entsteht die Glaubwürdigkeit, der Menschen folgen wollen.
Menschliche Multiplikatoren: Die kollektive Reichweite der Mitarbeitenden übersteigt die der Organisation oft um ein Vielfaches. Die VBG nutzt diesen Effekt, um auch „spitze“ Fachthemen künftig zielgenau in die relevanten Branchennetzwerke zu tragen.
Identifikation und Kultur: Das Programm wirkt stark nach innen. Die Sichtbarkeit der eigenen Arbeit fördert die Motivation und stärkt den Zusammenhalt zwischen den Standorten und Abteilungen, da die Vielfalt der Aufgaben für alle erlebbar wird.
Kontinuierliche Begleitung: Ein solches Programm ist kein Selbstläufer. Eine klare Roadmap – von der Auswahl motivierter Talente bis zur Unterstützung bei kritischen Kommentaren – ist essenziell für eine nachhaltige Kommunikation.
Fußnoten
Sabrina Kosse, Warum Unternehmen Corporate Influencer unterschätzen, https://www.haufe.de/personal/hr-management/corporate-influencer-fuer-recruiting-und-employer-branding_80_644078.html (abgerufen am 6.5.2026)