VISION ZERO-Kampagne dynamisiert Kommunikation mit Unternehmen
2017 startete in Luxemburg die erste große, crossmediale VISION ZERO-Kampagne. Sie rückte das Thema Sicherheit und Gesundheitsschutz stärker in die öffentliche Wahrnehmung. Die Kommunikation der Luxemburgischen gesetzlichen Unfallversicherung mit den Unternehmen hat sich in der Folge deutlich intensiviert und verbessert.
Key Facts
- VISION ZERO-Kampagne in Luxemburg sensibilisiert erfolgreich für Fragen der Sicherheit, Gesundheit und des Wohlbefindens bei der Arbeit
- Die Kommunikation mit den Unternehmen hat sich verändert: Aus anlassbezogenen Kontakten wurde ein proaktiver, datenbezogener Austausch
- Die verschiedenen Medienkampagnen stellen die Etablierung einer ganzheitlichen Präventionskultur in den Mittelpunkt
Mit der Einführung der nationalen VISION ZERO-Strategie im März 2016 hat Luxemburg ein Zeichen für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit gesetzt. Die Strategie war Ausdruck des Willens, dem Arbeits- und Gesundheitsschutz neuen Schwung zu verleihen und alle Beteiligten zu mobilisieren.
Für die luxemburgische gesetzliche Unfallversicherung (Association d’assurance accident – AAA), als eine der Initiatoren der VISION ZERO in Luxemburg, bedeutet diese Initiative nicht nur eine neue Präventionsstrategie, sondern auch einen Wandel in der Kommunikation mit den versicherten Unternehmen. Die Kommunikation der Präventionsabteilung mit den Unternehmen wurde sichtbarer, direkter und dynamischer. Während Kontakte früher meist punktuell entstanden, etwa nach Auffälligkeiten in den Unfallanzeigen oder auf Anfrage eines Unternehmens, hat sich der Austausch zu einer breiteren und kontinuierlicheren Begleitung entwickelt, mit dem Ziel, eine Präventionskultur zu fördern.
Kontakt mit Unternehmen vor VISION ZERO
Vor der Einführung der Strategie auf nationaler Ebene war die Kommunikation mit den Unternehmen stärker anlassbezogen. Die Präventionsabteilung kontaktierte Firmen vor allem dann direkt, wenn Auffälligkeiten festgestellt wurden. Umgekehrt meldeten sich Unternehmen meist mit spezifischen Fragen zur Arbeitssicherheit. Beratungen und Betriebsbesichtigungen erfolgten überwiegend aufgrund konkreter Anfragen oder besonderer Unfallauffälligkeiten, insbesondere in traditionell risikoreichen Branchen wie der Industrie oder dem Bausektor.
Der Austausch war fachlich zielgerichtet, erreichte aber vor allem Unternehmen, die aufgrund ihrer Tätigkeit stärker mit Fragen der Arbeitssicherheit konfrontiert waren. VISION ZERO hat diesen Rahmen deutlich erweitert.
Sensibilisierung seit der ersten Kampagne
Mit der ersten großen crossmedialen VISION ZERO-Kampagne, die im Juni 2017 gestartet wurde, rückte das Thema Sicherheit und Gesundheitsschutz stärker in die öffentliche Wahrnehmung. Die Kampagne richtete sich an Unternehmen, Unternehmensleitungen und Beschäftigte sowie an die breite Öffentlichkeit. Ziel war es, eine Präventionskultur zu fördern und Unternehmen zu aktivem Engagement für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit zu bewegen.
Das Konzept beruhte auf realen Situationen und starken Botschaften. Im Mittelpunkt standen echte Menschen, die einen Unfall bei der Arbeit oder auf dem Weg zur Arbeit erlebt hatten. Die Kampagne wollte nicht schockieren, sondern sensibilisieren, informieren und mobilisieren. Dadurch wurden Risiken nicht mehr nur als abstrakte Zahlen oder technische Fragen wahrgenommen, sondern als Realität, die jede und jeden betreffen kann.
Die Medienkampagne war landesweit sichtbar: auf Straßenwerbetafeln, Plakaten und Busrückseiten sowie in Straßenbahnen, Kinos und im Radio. Dadurch kamen nahezu alle Unternehmen und viele Beschäftigte in Luxemburg mit der Botschaft in Kontakt. Für die AAA führte dies zu einem deutlichen Anstieg der Anfragen. Gleichzeitig veränderte sich die Art der Fragen: Unternehmen wandten sich nicht mehr nur mit Einzelproblemen an die Präventionsabteilung, sondern interessierten sich zunehmend für eine ganzheitliche und systematische Organisation des Arbeits- und Gesundheitsschutzes.
Ein weiterer wichtiger Schritt war die Einführung der spezifischen Internetseite (visionzero.lu) im Jahr 2017. Unternehmen konnten sich über die Strategie informieren, Materialien abrufen und der VISION ZERO beitreten.

Gezielte Ansprache der Risikosektoren
Aufgrund der positiven Erfahrungen der ersten Phase beschlossen die Initiatoren von VISION ZERO, die Anstrengungen fortzusetzen. In der zweiten Phase, die bis 2030 läuft, wird der Fokus stärker auf Risikosektoren, wie zum Beispiel Bau, Landwirtschaft oder auch Metall- und Holzverarbeitung, gelegt. Ziel ist unter anderem, die nationale sektorübergreifende Häufigkeitsrate der Arbeitsunfälle bis 2030 um 20 Prozent gegenüber 2019 zu senken.
Damit veränderte sich auch die Kommunikation der AAA mit den Unternehmen erneut. Seit 2023 basiert der Kontakt zu vielen Unternehmen stärker auf statistischen Analysen. Unternehmen aus Risikosektoren werden gezielt angeschrieben und zu einer Beratung eingeladen. Häufig wird bereits ein konkreter Termin vorgeschlagen. Die Beratung bleibt freiwillig, doch die direkte Form der Ansprache erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen das Angebot wahrnehmen.
Diese Vorgehensweise hat zu deutlich mehr Beratungen geführt, insbesondere in den Risikosektoren. Gleichzeitig hat sie den direkten Kontakt zu vielen Unternehmen intensiviert. Die Präventionsabteilung tritt nicht mehr nur als Ansprechpartnerin für punktuelle Fragen auf, sondern zunehmend als aktive Begleiterin im Verbesserungsprozess.
Nach der Beratung erhalten die Unternehmen einen Maßnahmenbericht und melden die Umsetzung zurück. So entsteht ein fortlaufender Austausch. Die Kommunikation endet somit nicht mit einem einzelnen Beratungstermin, sondern entwickelt sich zu einem wiederkehrenden Dialog über Fortschritte und weitere Präventionsmöglichkeiten.
Wegeunfälle als Thema für alle Unternehmen
Die jüngste VISION ZERO-Medienkampagne widmet sich den Wegeunfällen und damit einem Problem, das nahezu alle Unternehmen in Luxemburg betrifft. Berufsbedingte Verkehrsunfälle, also Wege- und Dienstwegeunfälle, gehören zu den häufigsten arbeitsbedingten Todesursachen. Im Zeitraum von 2019 bis 2024 endeten in Luxemburg 25 Wegeunfälle tödlich. Die Kampagne verweist dabei auf sieben Leitlinien zur Verbesserung der Verkehrssicherheit im Betrieb.
Auch diese Kampagne hat die Kommunikation mit den Unternehmen verändert. Da die Botschaften landesweit auf Straßenwerbetafeln, in Radiospots und weiteren Medien sichtbar waren, fühlten sich Unternehmen aller Branchen angesprochen. Mehrere Betriebe kontaktierten die AAA gezielt wegen Beratungen im Bereich Wegeunfälle und Verkehrssicherheit. Damit wurde deutlich, dass VISION ZERO Themen sichtbar machen kann, die viele Unternehmen betreffen, im Alltag aber nicht immer systematisch behandelt werden.
Ausblick und Fazit
Im Jahr 2026 wurde das Logo der nationalen VISION ZERO-Strategie angepasst. Neben Sicherheit und Gesundheit rückt nun auch das Wohlbefinden bei der Arbeit stärker in den Vordergrund. Prävention wird damit zunehmend ganzheitlich verstanden. Neben dem klassischen Arbeits- und Gesundheitsschutz gewinnen mentale Gesundheit, Ergonomie sowie der digitale, ökologische und demografische Wandel an Bedeutung.
Die VISION ZERO-Strategie hat die Kommunikation der AAA mit den Unternehmen nachhaltig verändert. Aus einer überwiegend anlassbezogenen Kommunikation ist ein dynamischer, sichtbarer und zunehmend proaktiver Austausch mit den versicherten Unternehmen geworden. Durch nationale Kampagnen, die Internetseite, gezielte Anschreiben und die Nachverfolgung von Maßnahmen wurde die Präventionsarbeit näher an die Betriebe herangeführt.
Gleichzeitig fühlen sich deutlich mehr Unternehmen von Fragen der Sicherheit, Gesundheit und des Wohlbefindens bei der Arbeit angesprochen. Risiken, die früher weniger im Vordergrund standen, rücken stärker ins Bewusstsein. Die Kommunikation der AAA mit den Unternehmen ist damit breiter, strukturierter und zukunftsorientierter geworden.