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Ausgabe 3/2026

Arbeitsprogramm Absturzunfälle: Das GDA-Experimentierjahr 2026

2026 startete das Experimentierjahr der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) mit dem Arbeitsprogramm Absturzunfälle. Der Beitrag zeigt, was das Jahr auszeichnet, was es für die Arbeit der Unfallversicherungsträger bedeutet und beleuchtet Schwerpunkte.

Key Facts

  • Im GDA-Experimentierjahr 2026 sollen agilere Arbeitsweisen und neue Ansätze erprobt werden
  • Im Arbeitsprogramm Absturzunfälle liegt der thematische Fokus auf Dächern, Gerüsten, Leitern, Fahrzeugen und Laderampen
  • Für die Schwerpunktthemen wurden Leistungen definiert und Maßnahmen entwickelt
  • GDA-Träger können eigene Maßnahmen ergänzen und eigene Akzente setzen

Aufgrund ihrer Häufigkeit sowie der Schwere ihrer Folgen stellen Absturzunfälle einen zentralen Unfallschwerpunkt dar.[1] Zwischen 2009 und 2022 waren rund ein Drittel aller tödlichen Arbeitsunfälle, die durch die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin erfasst wurden, Absturzunfälle.[2] Zu ähnlichen Ergebnissen kommt eine Untersuchung des Instituts für Rechtsmedizin in Frankfurt am Main, in der alle tödlichen Arbeitsunfälle der Jahre 2005 bis 2016 im Einzugsbereich des Instituts betrachtet wurden. Demnach ereigneten sich die meisten tödlichen Unfälle in der Baubranche (55,2 Prozent) – Absturz war der häufigste Unfallhergang (28,7 Prozent).[3] Auch im Projekt „Schwerpunktsetzung nach den Kriterien der Vision Zero“ wurden Absturzunfälle als ein zukünftiger Schwerpunkt der Präventionsarbeit der Unfallversicherungsträger identifiziert.[4]

In der Sitzung der Nationalen Arbeitsschutzkonferenz im Mai 2025 wurde im Rahmen der GDA das Experimentierjahr 2026 mit dem Handlungsfeld „Verhütung von schweren und tödlichen Arbeitsunfällen“ und dem Arbeitsprogramm Absturzunfälle beschlossen. Zur Umsetzung wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretungen der GDA-Träger (Bund, Länder, Unfallversicherungsträger) sowie der Sozialpartner eingerichtet.

Das Experimentierjahr bildet den Abschluss der dritten GDA-Periode. Eine Besonderheit ist, dass innerhalb dieses Jahres neue, agilere Ansätze ausprobiert werden sollen und jeder Träger ohne feste Vorgaben seine jeweiligen Stärken in das Arbeitsprogramm einbringen kann.

Schwerpunkte des Arbeitsprogramms

Zunächst wurden Tätigkeiten und Branchen mit erhöhtem Risiko schwerer und tödlicher Absturzunfälle innerhalb der Träger erhoben. Basierend auf dieser Rückmeldung sowie der Statistik zum Arbeitsunfallgeschehen[5] wurden drei Themenschwerpunkte identifiziert: Dächer, Gerüste und Leitern sowie Fahrzeuge und Laderampen.

Im Unterschied zu früheren GDA-Arbeitsprogrammen, in denen Länder und Unfallversicherungsträger weitgehend identische Tätigkeiten eingebracht haben, sollen im Experimentierjahr vorhandene Materialien sowie die Stärken der einzelnen Träger besser genutzt und in den Fokus gerückt werden.

Gemeinsam wurden übergreifende Kategorien – etwa Qualifizierung, Öffentlichkeitsarbeit, Überwachung und Beratung – definiert, unter denen zugehörige Maßnahmen – beispielsweise Erfahrungsaustausche – erfasst werden. Zusätzlich können alle Träger eigenverantwortlich weitere, bereits bestehende Maßnahmen mit Bezug zu Absturzunfällen in das Experimentierjahr einbringen.

Darüber hinaus wurden Leitfragen zu den Themenschwerpunkten erarbeitet, die den Aufsichtsdiensten als Orientierung und Unterstützung dienen sollen. Diese sollen künftig auch als Informationsblätter für Betriebe weiterentwickelt werden.

Begleitend entsteht zurzeit ein Konzept zur Öffentlichkeitsarbeit und Branchenkommunikation. Bereits vorhandene Informationsmaterialien zu den Fachthemen sollen gebündelt auf einer gemeinsamen, noch zu entwickelnden Plattform bereitgestellt werden.

Neue Formen der Zusammenarbeit

Das Experimentierjahr steht unter dem Leitgedanken der Agilität – Adaptionsfähigkeit, Flexibilität, Selbstorganisation und schlanke Prozesse.[6]

Die Arbeitsgruppe nutzt eine gemeinsame digitale Plattform für Videokonferenzen, die kollaborative Bearbeitung von Dokumenten und die Planung von Aufgaben. Eine Herausforderung stellen derzeit noch die unterschiedlichen Zugriffsrechte und Datenschutzregelungen der beteiligten GDA-Träger dar.

Unterarbeitsgruppen sollen eigenständig und ohne direkte Steuerung der Projektleitung arbeiten. Dafür sind klare Rollen und eine transparente Arbeitsorganisation notwendig.

Diese gewonnenen Erfahrungen können auch für zukünftige GDA-Arbeitsprogramme wertvoll sein.

Fußnoten

  1. Kittelmann, M.; Adolph, L.; Michel, A. et al. (Hrsg.): Handbuch Gefährdungsbeurteilung, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund 2023.

  2. Bleyer, T.; Bentz, I.: Tödliche Arbeitsunfälle: Absturzunfälle, Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin, Dortmund 2023.

  3. Dieterich, C.; Herrmann, E.; Parzeller, M.: Tod bei der Arbeit – eine Analyse tödlicher Arbeitsunfälle von 2005 bis 2016 im Obduktionsgut des Instituts für Rechtsmedizin in Frankfurt am Main. In: Rechtsmedizin 30/2020, S. 144-152.

  4. Gravemeyer, S.; Meier, K.; Schneider, S. et al.: Status quo – Schwerpunktsetzung im Rahmen der Vision Zero. In: DGUV Forum 12/2021.

  5. Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung e.V. (Hrsg.): Statistik. Arbeitsunfallgeschehen 2023, Berlin 2024.

  6. Förster, K.; Wendler, R.: Theorien und Konzepte zu Agilität in Organisationen, Technische Universität Dresden, Fakultät für Wirtschaftswissenschaften, 2012.

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