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Ausgabe 3/2026

Die psychische Belastung in Nahrungsmittel- und Gastgewerbebetrieben

Die BGN nutzt die Chance, ihre Mitgliedsbetriebe bei der Ermittlung arbeitsbedingter psychischer Belastung zu unterstützen. So gewinnt sie gleichzeitig wertvolle Einblicke in Themen psychischer Belastung in den Branchen der Betriebe.

Key Facts

  • Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) unterstützt Mitgliedsbetriebe bei Beschäftigtenbefragungen zur Ermittlung der psychischen Belastung
  • Die Ergebnisse fließen in einen Gesamtdatensatz zur Erstellung von branchenspezifischen Referenzwerten psychischer Belastung ein
  • Schwerpunktthema psychischer Belastung in allen BGN-Branchen ist Arbeitsverdichtung

Die Berufsgenossenschaft Nahrungsmittel und Gastgewerbe (BGN) bietet ihren Mitgliedsbetrieben seit 2023 eine Online-Beschäftigtenbefragung zur Ermittlung der psychischen Belastung im Rahmen der Gefährdungsbeurteilung an. Das Angebot gilt für Betriebe mit mehr als 50 Beschäftigten. Kleineren Betrieben stehen die Beurteilungshilfen als Beobachtungsinstrument und die Ideen-Treffen als Workshop-Methode zur Verfügung.

Die BGN führt die Online-Befragung für die Betriebe durch, wertet die Ergebnisse aus und erstellt einen detaillierten Auswertungsbericht. Die Kosten für diese Leistungen sind im Mitgliedsbeitrag enthalten. Im Gegenzug stellen die Betriebe der BGN ihre Befragungsergebnisse zur Verfügung. Diese fließen in einen Gesamtdatensatz ein, der zur Erstellung von Branchenvergleichswerten beziehungsweise branchenspezifischen Referenzwerten psychischer Belastung genutzt wird.

Grundlage der Online-Befragung ist der MOLA-Fragebogen, der von der Unfallversicherung Bund und Bahn (UVB) entwickelt wurde und lizenzfrei genutzt werden kann.[1] Die Abkürzung MOLA steht dabei für Menschen, Organisationskultur, Leistung und Arbeitsgestaltung. Der MOLA-Fragebogen besteht aus verschiedenen Modulen. Das Modul „Arbeitsgestaltung“ mit insgesamt 68 zu bewertenden Aussagen „[…] deckt alle erforderlichen Inhalte der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung entsprechend den Empfehlungen zur Umsetzung der Gefährdungsbeurteilung psychischer Belastung der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie ab.“ [2]

Angebot an die Betriebe

Das Angebot der Online-Befragung wird regelmäßig durch die Unterstützung des Arbeitsmedizinischen und Sicherheitstechnischen Dienstes der BGN (ASD*BGN) sowie durch die Aufsichtspersonen bekannt gemacht. Außerdem sind Beiträge im Webmagazin „Akzente“ und eine Pressemeldung zum Thema erschienen.

Interessierte Betriebe bekommen per E-Mail ein Informationspaket zugeschickt. Dieses enthält ein Infoblatt, in dem die einzelnen Schritte der Befragung beschrieben sind, eine PDF-Version des Fragebogens, das Datenschutzkonzept und einen Muster-Auswertungsbericht. Der Betrieb legt Arbeitsbereiche und Befragungszeitraum fest. Von der BGN erhält er einen Befragungslink und einen QR-Code zur Weitergabe an die Beschäftigten.

Im Anschluss an die Befragung erstellt die BGN einen Ergebnisbericht. Dieser enthält Auswertungen zu den 20 abgefragten Themenbereichen psychischer Belastung der verschiedenen Arbeitsbereiche im Vergleich mit dem Gesamtbetrieb. Voraussetzung für nach Arbeitsbereichen getrennte Auswertungen ist, dass mindestens zehn Beschäftigte aus einem Arbeitsbereich an der Befragung teilgenommen haben. Darüber hinaus enthält der Bericht einen Vergleich des Gesamtbetriebs mit Referenzwerten der Branche: So sieht der Betrieb, in welchen Themenbereichen er besser oder schlechter abschneidet oder ob er im Mittelfeld der Branche liegt. Referenzwerte wurden für die Branchen Gastgewerbe, Backgewerbe, Fleischwirtschaft sowie Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie erstellt.

Die Branchenvergleichswerte

Die Grundlage für die Referenzwerte bildet ein Gesamtdatensatz mit Daten von aktuell insgesamt 5.513 Beschäftigten aus 92 Betrieben. Wie sich die Betriebe auf die verschiedenen Branchen verteilen, ist in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung 1: Verteilung der Betriebe auf die Branchen im Gesamtdatensatz (Quelle: BGN)

Die Beschäftigten der Betriebe im Gesamtdatensatz sind mit 55 Prozent etwas häufiger männlich (43 Prozent sind weiblich, zwei Prozent divers). 51 Prozent der Teilnehmenden sind jünger als 40 Jahre, 43 Prozent sind zwischen 40 und 59 Jahren und sechs Prozent sind 60 Jahre und älter.

Um Verzerrungen durch Betriebe mit sehr vielen Beschäftigten zu vermeiden, fließt jeder Betrieb nur einfach in den Gesamtdatensatz ein. Daraus werden die Referenzwerte für die jeweiligen Branchen bezogen auf die Themenbereiche berechnet.

Die Darstellung des Vergleichs der Betriebe mit den Referenzwerten erfolgt mit Wertebereichen in den Ampelfarben rot, gelb und grün (siehe Tabelle 1). Dazu werden die jeweiligen Mittelwerte mit den zugehörigen Standardabweichungen der Themenbereiche psychischer Belastung berechnet. Liegt der Mittelwert des jeweiligen Betriebs über einer Standardabweichung im Referenzdatensatz aller erfassten Betriebe in dieser Branche, wird der Bereich grün dargestellt. Liegt der Wert im Bereich einer Standardabweichung um den Mittelwert, wird dies gelb gekennzeichnet. Bei Werten unterhalb einer Standardabweichung wird der Bereich rot dargestellt. Die Markierung hoher Werte als grün begründet sich in den Formulierungen des MOLA-Fragebogens, der durch seine vorwiegend positiven Formulierungen Ressourcen misst und keine Belastungen.

Tabelle 1: Vergleich eines fiktiven Betriebs mit den Branchenreferenzwerten in Ampelfarben (Quelle: BGN)

Themen psychischer Belastung in den Branchen

Die Werte der Themenbereiche psychischer Belastung liegen in einem Bereich zwischen eins und fünf. Dabei bedeutet der Wert von eins „trifft gar nicht zu“ oder „eine Belastung“, während der Wert fünf „trifft völlig zu“ oder „keine Belastung/eine Ressource“ bedeutet. Um einen Eindruck davon zu bekommen, welche Themen in welchen Branchen eine Rolle spielen, wurden die Mittelwerte miteinander verglichen.

Die Themen Voraussetzungen für sicheres Arbeiten und Vollständigkeit der Arbeitsaufgabe erzielen in allen Branchen durchgängig hohe Werte (4,1 bis 4,3 bei Voraussetzungen für sicheres Arbeiten sowie bei der Vollständigkeit der Arbeitsaufgabe). Damit scheinen die teilnehmenden Betriebe aller Branchen bei diesen Themen kaum Belastungen zu haben. Voraussetzungen für sicheres Arbeiten bedeutet, dass für die Mehrheit der Beschäftigten persönliche Schutzausrüstungen vorhanden sind und sie regelmäßig unterwiesen werden. Bei der Vollständigkeit der Arbeitsaufgabe wird neben der Vollständigkeit auch die Möglichkeit, Aufgaben selbst organisieren zu können, bewertet.

Relativ niedrige Werte, also Belastungen, haben alle Branchen im Vergleich der verschiedenen Themen beim Thema Arbeitsverdichtung (2,7 bis 3,0). Hier geht es um Aspekte der Arbeitsorganisation, zum Beispiel darum, dass keine irrelevanten Informationen vorliegen oder es durch technische Neuerungen nicht zu immer mehr Aufgaben kommt.

Das Thema Arbeitsablauf ist mit niedrigen Werten (Werte zwischen 2,8 und 2,9), die auf Belastungen hindeuten, in Betrieben der Branchen Back- und Gastgewerbe sowie Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie zu beobachten. Bei diesem Thema geht es zum Beispiel darum, dass ungestörtes Arbeiten möglich ist und genügend Zeit für die Erledigung der Aufgaben bereitgestellt wird.

Bei den Themen Emotionale Anforderungen und Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit sind die Werte in den Branchen Gastgewerbe und Backgewerbe zueinander ähnlicher als die Werte in den anderen beiden Branchen Fleischwirtschaft und Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie. So scheinen beim Thema Erreichbarkeit außerhalb der Arbeitszeit die Branchen Nahrungsmittel-/Getränkeindustrie und Fleischwirtschaft mit Werten zwischen 3,8 und 3,9 weniger Belastungen bei diesen Themen zu haben als die anderen beiden Branchen mit Werten zwischen 3,0 und 3,5. Beim Thema Emotionale Anforderungen scheinen die Branchen Gast- und Backgewerbe mit Werten zwischen 3,4 und 3,5 etwas mehr Belastungen zu haben als die Branchen Fleischwirtschaft sowie Nahrungsmittel- und Getränkeindustrie mit Werten zwischen 3,9 und 4,0. Diese Ergebnisse könnten einen Hinweis auf die psychische Belastung in den stark kundenorientierten Tätigkeiten im Back- und Gastgewerbe geben, wozu beispielsweise Service und Verkauf gehören.

Weitere auffällige Themen im Backgewerbe sind Körperliche Anforderungen mit niedrigen Werten von 2,8 und Technologische Unterstützung mit einem Wert von 2,9. Bei den körperlichen Anforderungen geht es darum, dass körperliche Beanspruchung und körperliche Anstrengung beim Ausüben der Tätigkeit vermieden werden. Die technologische Unterstützung beinhaltet Erleichterungen, Gestaltungsspielräume und verbesserte Arbeitsleistung durch technologische Neuerungen.

Für die Fleischwirtschaft ist das Thema Arbeitszeitgestaltung mit einem niedrigen Wert von 2,8 auffällig. Er deutet auf mögliche Belastungen hin. Hier geht es darum, ob vom Betrieb bei der Arbeitszeitgestaltung die Lebenssituation der Beschäftigten Berücksichtigung findet und verschiedene Arbeitszeitmodelle angeboten werden.

Ausblick

Das Angebot der Online-Beschäftigtenbefragung wird auch im vierten Jahr von den Mitgliedsbetrieben sehr gut nachgefragt. In den ersten drei Jahren wurden im Schnitt etwa 30 Befragungen pro Jahr durchgeführt, für 2026 waren bis März schon 20 Befragungen geplant beziehungsweise bereits durchgeführt worden.

Mit den gewonnenen Erkenntnissen soll das Angebot der BGN zur Unterstützung der Betriebe bei der Durchführung der Gefährdungsbeurteilung arbeitsbedingter psychischer Belastung weiter verbessert und zielgenauer auf die Themen der jeweiligen Branchen abgestimmt werden.

Fußnoten

  1. Unfallversicherung Bund und Bahn (UVB) (2021). MOLA-Fragebogen. Fragebogen zur Analyse sicherer und gesunder Arbeit. Wilhelmshaven,

  2. Unfallversicherung Bund und Bahn (UVB) (2022). Manual zum MOLA-Fragebogen für sichere und gesunde Arbeit. Wilhelmshaven, S. 23, https://www.uv-bund-bahn.de/fileadmin/user_upload/inhalte/fotos/praevention/Fachthemen/psychologie_gesundheitsmanagement/mola_Texte/Manual_MOLA.pdf (zuletzt abgerufen am 01.06.2026)

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