Pflegende Angehörige im Fokus der Nationalen Präventionsstrategie
Pflegende Angehörige sind das Rückgrat der Versorgung in Deutschland. Die Nationale Präventionskonferenz (NPK) hat das Thema Pflege zur Stärkung der gesamtgesellschaftlichen Zusammenarbeit aufgenommen. Die gesetzliche Unfallversicherung setzt Impulse, um Sicherheit und Gesundheit dieser Zielgruppe zu fördern.
Key Facts
- Pflege ist gesamtgesellschaftlich bedeutsam – Angehörige tragen die Hauptlast
- Das Vorhaben der Nationalen Präventionsstrategie (2021–2026) fördert die gesamtgesellschaftliche Zusammenarbeit bei der Prävention und Gesundheitsförderung in der Pflege
- Ziel der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV): Gesundheit, Sicherheit und Teilhabe pflegender Angehöriger stärken
Pflege ist längst ein politisches Dauerthema. Mit dem demografischen Wandel, dem wachsenden medizinischen Fortschritt und dem damit einhergehenden zunehmenden Wunsch nach selbstbestimmten Wohn- und Lebensformen steigt der Bedarf an Pflege im häuslichen Bereich, während die physischen und insbesondere psychischen Belastungen für pflegende Angehörige stetig zunehmen. Dies ist beispielsweise begründet durch die Unterstützung in der Grundpflege, die Organisation des gesamten Alltags, die Unterstützung in der allgemeinen Mobilität, die Zubereitung und Anreichung von Mahlzeiten und die tägliche Medikamenteneinteilung. Pflegende Angehörige übernehmen Verantwortung, die nicht nur familiär, sondern auch gesellschaftlich relevant ist. Von den mehr als fünf Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland werden 86 Prozent zu Hause versorgt und 67 Prozent überwiegend durch pflegende Angehörige (siehe Abbildung).[1] Diese stehen unter bestimmten Voraussetzungen unter dem Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung.[2] Mehr als vier Millionen pflegende Angehörige stehen potenziell vor der Herausforderung, Beruf und häusliche Pflege miteinander zu vereinbaren.[3] Daher können sie auch über die Mitgliedsbetriebe mit Unterstützungsangeboten und Informationen der Unfallversicherungsträger erreicht werden.
Pflegebedürftige nach Versorgungsart 2023 [4]

Das NPK-Vorhaben: Auftrag und Ziele
Die Nationale Präventionskonferenz (NPK) hat von 2021 bis 2026 mit dem NPK-Vorhaben die gesellschaftlich relevanten Themen Pflege (Gesundheitsförderung und Prävention in der Pflege) und Psychische Gesundheit (Psychische Gesundheit im familiären Kontext) in den Fokus genommen.[5]
In dem Themenfeld Pflege stehen beruflich Pflegende, pflegende Angehörige und pflegebedürftige Menschen im Mittelpunkt. Die Zielgruppe pflegende Angehörige wurde hierbei auch auf Empfehlung der DGUV in den Fokus gerückt.
Ziel ist es, modellhaft zu erproben, wie gesamtgesellschaftliche Zusammenarbeit gelingt. Grundlage sind die Bundesrahmenempfehlungen, die Prävention und Gesundheitsförderung als gemeinsame Aufgabe vieler Akteure definieren.[6] Die Bundesrahmenempfehlungen sind ein gemeinsamer Fahrplan für Prävention und Gesundheitsförderung in Deutschland. Sie sorgen dafür, dass alle relevanten Akteure – von Kranken- und Pflegekassen über Unfallversicherungsträger bis hin zu anderen mit Pflege im Zusammenhang stehenden Institutionen – koordiniert und zielgerichtet zusammenarbeiten.
Die entsprechenden Ziele der gesetzlichen Unfallversicherung zum NPK-Vorhaben für die Zielgruppe pflegende Angehörige werden im Folgenden näher veranschaulicht:
- Förderung unfallkassenübergreifender Aktivitäten zur Unterstützung pflegender Angehöriger.
- Sensibilisierung der Unfallversicherungsträger für die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege.
- Förderung der Lotsenfunktion der Berufsgenossenschaften hin zu Angeboten der Unfallkassen.
- Anpassung von Leitfäden und Konzepten im Präventionsfeld „Gesundheit bei der Arbeit“.
Die vereinbarten Ziele werden mit vielfältigen Aktivitäten umgesetzt. Beispielsweise durch das Sachgebiet „Pflegende Angehörige“[7], das 2024 im Fachbereich „Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege“ der DGUV für die bundesweite unfallkassenübergreifende Zusammenarbeit eingerichtet wurde.
Die gesetzliche Unfallversicherung versteht sich als Impulsgeberin und Mitgestalterin einer gesamtgesellschaftlichen Präventionsstrategie.
Die Landesverbände der DGUV unterstützen die Lotsenfunktion der Berufsgenossenschaften hin zu den Unfallkassen zwecks Sensibilisierung der Unfallversicherungsträger in erster Linie zum Handlungsfeld der Vereinbarkeit der häuslichen Pflege mit dem Beruf. Bereits vorhandene Leitfäden und Konzepte im Präventionsfeld Gesundheit bei der Arbeit werden entsprechend angepasst.
Damit wird deutlich: Die gesetzliche Unfallversicherung versteht sich als Impulsgeberin und Mitgestalterin einer gesamtgesellschaftlichen Präventionsstrategie. Dies erfolgt zum einen von Seiten der DGUV als Moderatorin und zum anderen von Seiten der Unfallkassen beziehungsweise der unfallkassenübergreifenden Strukturen. Vereinzelte Aktivitäten und Projekte, die unter anderem den gesamtgesellschaftlichen Ansatz auf der operativen Ebene der Unfallkassen verdeutlichen, sind Projekte der NPK[8] sowie jene, die auf der Webseite des Sachgebiets Pflegende Angehörige[9] aufgeführt sind. Unterstützungsangebote, die sich direkt an die Zielgruppe richten, sind zum Beispiel das Pflegeportal der Unfallkasse NRW[10] und das Sichere Haus[11].
Projektbericht „Bewegung und Entspannung mit Yoga“ für pflegende Angehörige der UK Nord:
Das Modellprojekt „Bewegung und Entspannung mit Yoga“ wurde vom Frühjahr 2023 bis zum Frühjahr 2024 von vier Projektträgerinnen und Projektträgern durchgeführt. Es bot sowohl Menschen mit Demenz als auch ihren pflegenden Angehörigen wöchentliche, speziell angepasste und jeweils parallel stattfindende Yogaangebote. Ziel war es, durch Bewegung, Entspannung, soziale Kontakte und Austausch die psychische und physische Gesundheit zu stärken, Mobilität und Selbstständigkeit zu fördern und das Unfallrisiko zu verringern. Schleswig-Holsteins Sozialministerin Aminata Touré zeichnete das Modellprojekt Ende 2024 mit dem dritten Platz des Landespreises für Projekte in der Altenpflege, dem Pflegeleuchtturm, aus.
Eine Broschüre als Impuls für Multiplikatoren sowie ein Plakat mit Übungen zur direkten Umsetzung im häuslichen Bereich oder direkt am Arbeitsplatz wurden gemeinsam von den Projektträgerinnen und Projektträgern entwickelt. Dazu zählen die Unfallkasse Nord (UK Nord), die Landesvereinigung für Gesundheitsförderung in Schleswig-Holstein e.V. (LVGFSH), die Alzheimer Gesellschaft Schleswig-Holstein e.V. Selbsthilfe Demenz / Landesverband (AG SH) und das Kompetenzzentrum Demenz in Schleswig-Holstein (KDSH). Sowohl Broschüre als auch Poster können kostenfrei gegen Übernahme der Portokosten bestellt werden.[12] Das Poster, das im Rahmen des Projekts entstanden ist, ermöglicht das direkte Umsetzen der Übungen zu Hause oder auch direkt am Arbeitsplatz und ist über die Website der Unfallkasse Nord herunterladbar.[13]
Gesamtgesellschaftliche Zusammenarbeit
Das NPK-Vorhaben verdeutlicht: Die Vermittlung von Prävention und Gesundheitsförderung über Multiplikatoren gelingt vor allem im Netzwerk. Die Unfallkassen der Länder arbeiten mit Pflegestützpunkten, Vereinen und Verbänden zum Thema Pflege und anderen Sozialleistungsträgern zusammen. Auch im Kontext der Landesrahmenvereinbarungen[14] zur Umsetzung der nationalen Präventionsstrategie wurden in den Ländern entsprechende Strukturen geschaffen, die dabei unterstützen. Ein wichtiges Ergebnis: Die „pflegenden An- und Zugehörigen“ wurden im Rahmen der Weiterentwicklung der Bundesrahmenempfehlungen als eigene Zielgruppe aufgenommen und dauerhaft verankert.
Fazit
Mit dem Fokus auf pflegende Angehörige im NPK-Vorhaben und den gezielten Aktivitäten auch unfallversicherungsträgerübergreifend wurde ein entscheidender Schritt getan. Prävention und Gesundheitsförderung werden als gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden, die nur durch aufeinander abgestimmtes Handeln wirksam gestaltet werden kann. Als aktiver Partner dieses Vorhabens trägt die gesetzliche Unfallversicherung maßgeblich dazu bei, die physischen und psychischen Belastungen pflegender Angehöriger zu reduzieren und ihre Gesundheit und auch Arbeitsfähigkeit nachhaltig zu stärken.
Fußnoten
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Statistisches Bundesamt (Destatis): Pflegebedürftige nach Versorgungsart (2023), https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/_Grafik/_Interaktiv/pflege-versorgungsart.html (abgerufen am 16.03.2026)
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Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV): Unfallversicherungsschutz bei der häuslichen Pflege, https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/2870 (abgerufen am 13.03.2026)
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Ehrlich, U., Bünning, M., & Kelle, N. (2024). Doppelbelastung ohne Entlastung? Herausforderungen und gesetzliche Maßnahmen für die Vereinbarkeit von Pflege und Beruf in einer alternden Gesellschaft. Deutsches Zentrum für Altersfragen (DZA), 03/2024.
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Die Nationale Präventionskonferenz: NPK-Vorhaben zu den Themen Pflege und Psychische Gesundheit, https://www.npk-info.de/umsetzung/gesamtgesellschaftliches-zusammenwirken/npk-vorhaben-zu-den-themen-pflege-und-psychische-gesundheit (abgerufen am 13.03.2026)
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Die Nationale Präventionskonferenz: Bundesrahmenempfehlungen, https://www.npk-info.de/praeventionsstrategie/bundesrahmenempfehlungen (abgerufen am 13.03.2026)
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Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, Sachgebiet Pflegende Angehörige, Fachbereich Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, https://www.dguv.de/de/praevention/fachbereiche_dguv/gesund_wohlfahrt/sg-pflegende-angehoerige/index.jsp (abgerufen am 13.03.2026)
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Die Nationale Präventionskonferenz: Projekte, https://www.npk-info.de/umsetzung/gesund-in-der-pflege/angebote-fuer-pflegende-angehoerige-und-ehrenamtliche-pflegepersonen/angebote-der-gesetzlichen-unfallversicherung/projekte (abgerufen am 13.03.2026)
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Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, Sachgebiet Pflegende Angehörige, Fachbereich Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, https://www.dguv.de/de/praevention/fachbereiche_dguv/gesund_wohlfahrt/sg-pflegende-angehoerige/index.jsp (abgerufen am 13.03.2026)
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Unfallkasse Nordrhein-Westfalen: Unsere Portale zum Gesundheitsschutz für pflegende Angehörige und Beratende, https://zuhause-pflegen-nrw.de/ (abgerufen am 13.03.2026)
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Aktion Das Sichere Haus, https://das-sichere-haus.de/ (abgerufen am 13.03.2026)
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Landesvereinigung für Gesundheitsförderung in Schleswig-Holstein e. V.: Bewegung und Entspannung mit Yoga, https://www.lvgfsh.de/gesund-aelter-werden/demenz-eine-diagnose-zwei-betroffene/bewegung-und-entspannung-mit-yoga (abgerufen am 13.03.2026)
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Unfallkasse Nord: Bewegung und Entspannung mit Yoga, https://uk-nord.de/assets/redakteur/02-medienshop/arbeitswelt/Neuerscheinung/Poster_Bewegung_und_Entspannung_mit_Yoga_Unfallkasse-Nord.pdf (abgerufen am 13.03.2026)
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Landesrahmenvereinbarungen (LRV) sind Absprachen zwischen Sozialversicherungsträgern und Landesministerien zur Umsetzung der nationalen Präventionsstrategie, angepasst an regionale Bedürfnisse.
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www.destatis.de. (2024). Pflegebedürftige nach Versorgungsart, https://www. destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Gesundheit/_Grafik/_Interaktiv/pflege-versorgungsart.html (abgerufen am 16.03 2026)