Ergebnisse wirksam kommunizieren – Zentrale Erfolgsfaktoren in Evaluationen
Evaluationen liefern wichtige Erkenntnisse – doch erst durch gelungene Kommunikation und Praxistransfer entfalten sie ihre Wirkung. Der Beitrag zeigt, welche Faktoren dazu beitragen, dass Evaluationsergebnisse verstanden, akzeptiert und genutzt werden.
Key Facts
- Ergebniskommunikation entscheidet maßgeblich darüber, ob Evaluationen wirksam werden
- Verschiedene Kriterien bestimmen über den Erfolg der Ergebniskommunikation und werden idealerweise bereits bei der Auftragsklärung mitgedacht
- Für eine hohe Reichweite und erfolgreiche Nutzung der Ergebnisse ist es maßgeblich, die Ziele, Zielgruppen und Formate zu bestimmen
Evaluationen können wichtige Erkenntnisse für die Weiterentwicklung von Präventionsmaßnahmen liefern. Entscheidend für den Praxistransfer von Erkenntnissen ist die Art der Ergebniskommunikation. Ergebnisse, die nicht verstanden oder als nicht relevant wahrgenommen werden, bleiben häufig wirkungslos.
Ergebniskommunikation geht über reine Informationsweitergabe hinaus. Sie ist ein aktiver Prozess, in dem Ergebnisse eingeordnet, verständlich gemacht und für unterschiedliche Zielgruppen anschlussfähig aufbereitet werden. Die Ergebniskommunikation ist daher nicht als abschließender Schritt zu verstehen, sondern als integraler Bestandteil des gesamten Evaluationsprozesses. Bereits bei Planung und Auftragsklärung[1] für eine Evaluation sollte berücksichtigt werden, wie Ergebnisse später genutzt und verbreitet werden.
Das Dreieck der Ergebniskommunikation
Eine wirksame und gelungene Ergebniskommunikation lässt sich als ideales Zusammenwirken von drei zentralen Dimensionen verstehen: Ziele, Zielgruppen und Formate. Im Dreieck der Ergebniskommunikation stehen diese in engem Zusammenhang und sollten stets gemeinsam gedacht werden (siehe Abbildung 1). Die Ziele bestimmen, was erreicht werden soll (zum Beispiel Informieren, Überzeugen, Aktivieren). Die Zielgruppen definieren, für wen die Ergebnisse aufbereitet werden. Die Formate legen fest, wie die Ergebnisse vermittelt werden. Wird eine Dimension isoliert betrachtet, besteht die Gefahr, dass Ergebnisse zwar korrekt, aber nicht wirksam vermittelt werden.

Abbildung 1: Das Dreieck der Ergebniskommunikation
Quelle: DGUV
Ziele der Ergebniskommunikation
Um sich die Ziele der Ergebniskommunikation zu verdeutlichen, kann es helfen, auf den ursprünglichen Zweck der Evaluation zu schauen: Was war der Auslöser, die Evaluation durchzuführen, und wofür sollen die Ergebnisse genutzt werden? Im Idealfall wurden diese Punkte schon bei der Auftragsklärung gemeinsam mit den Auftraggebenden abgestimmt und durch professionelles Erwartungsmanagement begleitet.
In vielen Fällen ist das Ziel, zu informieren und die Ergebnisse der Evaluation verständlich darzustellen. Manchmal soll für ein bestimmtes Thema sensibilisiert und Aufmerksamkeit für dieses Thema geschaffen werden. Ziele können auch sein, Maßnahmen weiterzuentwickeln oder Veränderungen anzustoßen. Schließlich könnte das Ziel der Ergebniskommunikation in der Legitimation und Begründung von Entscheidungen liegen. Vor dem Hintergrund der Evaluationsergebnisse und der Kommunikationsziele können dann klare und prägnante Botschaften entwickelt werden.
Die Ergebniskommunikation wird durch einen Fokus auf die Ziele gegenstandsgerecht. Das bedeutet, dass sie inhaltlich zum Evaluationsgegenstand sowie zu den Zielen, dem Zweck und den Fragestellungen der Evaluation passt. Der Bezug zum Evaluationskonzept sollte demnach klar und eindeutig sein.
Zielgruppenorientierung
Bei der Ausrichtung an den Zielgruppen geht es darum, wer mit den Botschaften erreicht werden soll. In der Präventionsarbeit sind dies häufig sehr unterschiedliche Agierende mit verschiedenen Informationsbedarfen. Da gibt es in erster Linie einen Auftraggeber beziehungsweise eine Auftraggeberin der Evaluation, mit dem oder der die Evaluation zu Beginn abgestimmt wurde. Weitere Zielgruppen sind unter anderem Verantwortliche für die Maßnahmen, Betroffene und Beteiligte, Mitgliedsbetriebe, Gremien sowie Fachöffentlichkeit und Wissenschaft. Während Entscheidungstragende vor allem kompakte und entscheidungsrelevante Informationen benötigen, sind Fachabteilungen häufig an detaillierteren Darstellungen interessiert. Mitgliedsbetriebe wiederum profitieren von praxisnahen und leicht verständlichen Aufbereitungen. Eine wirksame Kommunikation berücksichtigt diese Unterschiede und bereitet Ergebnisse entsprechend differenziert auf.
Die unterschiedlichen Zielgruppen lassen sich nach bestimmten Kriterien einteilen, was hilfreich für die adressatengerechte Kommunikation sein kann. Zunächst spielt es eine Rolle, ob die Person oder der Personenkreis intern oder extern ist. Weiterhin ist die Erreichbarkeit entscheidend, also über welche Kanäle die Zielgruppe jeweils gut angesprochen werden kann, zum Beispiel per Mitgliederzeitschrift, Newsletter, Rundschreiben oder auf direktem, persönlichem Weg im Rahmen eines Treffens, Workshops oder einer Gremiensitzung. Wichtig ist die Frage, ob bei der Zielgruppe eine direkte oder indirekte Betroffenheit im Hinblick auf die Evaluationsergebnisse vorliegt. Personen, die die Maßnahme entwickeln, verantworten oder sie anwenden, sind besonders stark betroffen. Ferner ist zu überlegen, welche Kommunikationsformate die unterschiedlichen Zielgruppen in der Regel nutzen sowie welches Vorwissen, welche Interessen und Erwartungen sie zum Thema haben. Nicht für jede Zielgruppe ist beispielsweise ein ausführlicher Evaluationsbericht hilfreich, und nicht alle fühlen sich mit einem kurzen und prägnanten Kurzbericht ausreichend informiert, wenn dort die methodische Vorgehensweise oder das Forschungsdesign fehlt.
Formate der Ergebniskommunikation
Die Auswahl geeigneter Formate ist eng mit den Zielen und Zielgruppen verknüpft und bildet die dritte Ecke des Dreiecks der Ergebniskommunikation. Generell lassen sich diese in vier Typen einteilen: Ein ausführlicher schriftlicher Evaluationsbericht oder eine umfangreiche Ergebnispräsentation sind typische Beispiele für die Langform. Bei einer Pressemitteilung, einem One-Pager oder einer Webseite handelt es sich um Kurzformen. Zudem gibt es alternative Formen: Das kann ein Film, ein Workshop oder ein Interview sein. Schließlich sind auch Mischformen, also die Kombination unterschiedlicher Formate, eine Möglichkeit, Evaluationsergebnisse zu berichten. In der Praxis hat sich gezeigt, dass der Einsatz verschiedener Formate besonders wirksam ist, wenn dadurch diverse Zielgruppen auf unterschiedliche Weise erreicht und verschiedene Kommunikationsziele gleichzeitig adressiert werden können.
Den Mittelpunkt der Abbildung 1 bildet die Informationstiefe, die je nach Ausprägung aus den drei Aspekten heraus entsteht. Abhängig von den Zielen der Ergebniskommunikation, den Zielgruppen und den gewünschten oder geforderten Formaten ergibt sich eine Informationstiefe, die angemessen und zielführend ist. Mediengerechte Kommunikation entscheidet also über die Art und Weise der Berichterstattung sowie über Umfang und Informationstiefe unterschiedlicher Formate.
Eine wichtige Klammer bildet die Situationsgerechtigkeit, die auch die Rahmenbedingungen betrachtet. Zeitpunkt, Anlass, Räumlichkeiten, aber auch die Dauer oder die Regelmäßigkeit der Kommunikation beeinflussen maßgeblich, wie Ergebnisse wahrgenommen und verarbeitet werden.
Fazit
Evaluationsergebnisse sind häufig komplex und nicht immer eindeutig. Eine zentrale Aufgabe der Ergebniskommunikation besteht darin, diese Komplexität verständlich zu vermitteln. Dabei ist es wichtig, zentrale Botschaften herauszuarbeiten und gleichzeitig die Grenzen der Aussagekraft transparent zu machen. Unerwartete oder kritische Ergebnisse sollten sachlich dargestellt und nachvollziehbar eingeordnet werden. Eine offene und transparente Kommunikation trägt dazu bei, Vertrauen in die Ergebnisse zu schaffen.
Die Kommunikation von Evaluationsergebnissen ist ein entscheidender Erfolgsfaktor für die Wirksamkeit von Evaluationen. Sie erfordert eine klare Zielorientierung, eine konsequente Ausrichtung an den Zielgruppen sowie eine bewusste Auswahl geeigneter Formate. Erfolgreiche Ergebniskommunikation zielt darauf ab, dass die Ergebnisse seitens der Zielgruppen nicht nur verstanden werden. Sie bietet darüber hinaus Orientierung dafür, wie mit den Ergebnissen weitergearbeitet werden kann, und ermöglicht beziehungsweise unterstützt die Ableitung von Handlungsempfehlungen. Für die Präventionsarbeit bedeutet dies, Ergebniskommunikation von Anfang an mitzudenken und strategisch zu planen. Nur so kann sichergestellt werden, dass Evaluationen ihre Wirkung entfalten.
Fußnoten
Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, Checkliste zur Klärung eines Evaluationsauftrags bzw. Evaluationsprojekts, https://publikationen.dguv.de/widgets/pdf/download/article/4760 (abgerufen am 25.05.2026)