Zufriedenheit der Unfallversicherungsträger mit den SAV-Kliniken
Die DGUV erhebt regelmäßig Daten zur Zufriedenheit der Unfallversicherungsträger mit der Zusammenarbeit der SAV-Kliniken (SAV = Schwerstverletzungsartenverfahren). 2025 wurde der Unterschied in der Bewertung zwischen den BG Kliniken und den übrigen SAV-Kliniken besonders deutlich.
Key Facts
- DGUV befragte Beschäftigte der Unfallversicherungsträger zur Zusammenarbeit mit SAV-Kliniken
- Die Zufriedenheit bleibt insgesamt hoch, geht jedoch leicht zurück
- BG Kliniken werden deutlich besser bewertet als übrige SAV-Kliniken
- Verbesserungsbedarf besteht vor allem bei Berichts- und Gutachtenlaufzeiten
Anhand der regelmäßig durchgeführten Qualitätseinschätzungen von Beschäftigten der Unfallversicherungsträger (UV-Träger) werden positiv und negativ wahrgenommene Aspekte in der Zusammenarbeit mit den SAV-Kliniken identifiziert. Übergreifende Entwicklungen können von der DGUV so erkannt und für die Weiterentwicklung von Verfahren oder Anforderungen herangezogen werden.
Ziel der regelmäßigen Befragungen ist auch eine Qualitätsverbesserung auf der Ebene der einzelnen Klinik. Das Management der SAV-Klinik wird über die Ergebnisberichte informiert und zu Benchmarking und Verbesserungen angeregt. Unterstützend führen die Landesverbände der DGUV mit negativ auffälligen Kliniken Gespräche.
Die jüngste Befragung erfolgte über einen Zeitraum von 7 Monaten in der Zeit vom 1. Januar bis 31. Juli 2025. Die Arbeit wurde von einem Projektkreis begleitet, der aus Mitarbeitenden der Träger der gesetzlichen Unfallversicherung sowie der Landesverbände bestand. Die technische Infrastruktur für die Online-Befragung wurde von der DGUV Akademie (ehemals Institut für Arbeit und Gesundheit der DGUV (IAG)) zur Verfügung gestellt. Die wissenschaftliche Beratung und Auswertungen erfolgten seitens der Hochschule der Gesetzlichen Unfallversicherung (HGU) durch Prof. Dr. Mangelsdorf.
Die Befragungsthemen orientieren sich an den Anforderungen der Unfallversicherungsträger an SAV-Kliniken und bilden die Zusammenarbeit aus Sicht der Unfallversicherung ab. Die insgesamt 24 Fragen bezogen sich auf folgende Themenbereiche:
- Kommunikation
- Unterstützung beim Reha-Management
- Organisation der nachstationären Versorgung
- Erstellung von Berichten und Gutachten
- Fachübergreifende Zusammenarbeit im Rahmen der stationären Behandlung
- Versorgungsorganisation für schwerstverletzte Kinder und Jugendliche
- Generelle Zufriedenheit mit der Zusammenarbeit
- Durchführung von spezifischen Angeboten in den BG Kliniken
Um Vergleiche mit der vorangegangenen Erhebung im Jahr 2022 zu ermöglichen, wurde der damalige Fragenkatalog nur sehr moderat angepasst.
2.705 Bewertungen für 102 SAV-Kliniken wurden 2025 von den Mitarbeitenden der UV-Träger zur Verfügung gestellt (2016: 1770, 2018: 2422; 2022: 2421). 62 Kliniken erhielten davon jeweils mindestens 20 Bewertungen. Bei den übrigen Kliniken ist von einer eingeschränkten Repräsentativität für die einzelnen Klinikberichte auszugehen. Dennoch kann die Befragung auch in diesen Fällen wertvolle Hinweise liefern.
Besonders viele Bewertungen erhielten die BG Kliniken mit 726 (2022: 651). Für die BG Kliniken wurde über zusätzliche Fragen die Zufriedenheit mit den besonderen Leistungen und der Zusammenarbeit mit den UVT Servicecentern hinterfragt.
Projekt-Ergebnisse
Die Klinikbewertungen im Einzelnen unterliegen dem Datenschutz und sind lediglich den zuständigen Landesverbänden als Vertragspartner der Kliniken bekannt. Die folgenden Ausführungen beschränken sich daher auf allgemeine, nicht einzelfallbezogene Auswertungen.
Die generelle Zufriedenheit der Sachbearbeitung und des Reha-Managements mit der Zusammenarbeit mit den SAV-Kliniken lag im Jahr 2025 bei 78,3 Prozent. Sie fiel damit gegenüber den Vorbefragungen auf den niedrigsten, wenngleich immer noch hohen Wert.
Die Unterscheidung zwischen BG Kliniken und den übrigen SAV-Häusern ergibt ein differenziertes Bild. So sind die Sachbearbeitung und das Reha-Management im Jahr 2025 zu 91,7 Prozent (2022: 91,4 Prozent; 2016: 89,8 Prozent) mit der Zusammenarbeit mit den BG Kliniken insgesamt zufrieden. Die sonstigen SAV-Häuser kommen hier im Jahr 2025 auf einen Zufriedenheitswert von 73,3 Prozent (2022: 79,5 Prozent). Während sich die BG Kliniken auf sehr hohem Niveau also nochmals verbessert haben, fällt die Zufriedenheit insgesamt mit den SAV-Häusern deutlich schlechter, allerdings immer noch gut, aus.

Folgende 3 Fragestellungen wurden absolut, also ohne Vergleich zur Vorbefragung, überwiegend negativ beurteilt:
- Innerhalb welcher Frist erhalten Sie in der Regel die Entlassungsberichte von der Klinik? Antworten: 24,4 Prozent (2022: 27,9 Prozent) positiv, das heißt innerhalb von 7 Werktagen. Hervorzuheben ist dabei, dass die Qualität der Entlassungsberichte mit 90,8 Prozent sehr gut bewertet wurde.
- Werden Berichte von hinzugezogenen Fachdisziplinen (zum Beispiel Untersuchungsergebnisse aus Neurologie, HNO, Urologie) ohne Anforderung vorgelegt? Antworten: positiv 44,6 Prozent (2022: 46,2 Prozent)
- Bei Renten-Gutachten gilt ein Zeitziel von 3 Wochen nach Auftragseingang. Innerhalb welcher Frist erhalten Sie die angeforderten Renten-Gutachten? Nach Einschätzung der Befragten wird der Rücklauf von Gutachten innerhalb von 3 Wochen nur bei 2 Prozent der Kliniken erreicht (2022: 1,6 Prozent; 2018: 1,4 Prozent; 2016: 0,8 Prozent). Nimmt man die Angabe „Eingang innerhalb von 6 Wochen“ hinzu, treffen 25,7 Prozent (2022: 26,1 Prozent) der Gutachten in einem vertretbaren Zeitfenster beim UV-Träger ein. Problematisch für die Verwaltungen ist eine Zusendung von Gutachten nach 12 und mehr Wochen. Dieses Zeitfenster wird von den Befragten nur noch für 18,1 Prozent (2022: 22,2 Prozent; 2018: 36,8 Prozent) aller Gutachten angegeben.
Die Qualität der erstellten Gutachten wird – und das ist die positive Nachricht – dem gegenüber als exzellent wahrgenommen (Zufriedenheit 2025: 93 Prozent; 2022: 92 Prozent; 2018: 90 Prozent).
Umgang mit den Projektergebnissen
Die Klinikberichte erhielten der jeweilige Chefarzt/die jeweilige Chefärztin sowie die Verwaltungsleitungen. Unabhängig von der Zahl der Bewertungen erhielten alle Kliniken ihre Ergebnisse mit Vergleichen zur Vorbefragung und zum Durchschnitt. Die Landesverbände werden bei sich wiederholenden, deutlichen Negativbewertungen Einzelgespräche führen. Die Gründe für die (auf hohem Niveau) rückläufige Zufriedenheit mit der Zusammenarbeit mit den SAV-Kliniken können aus den Daten nicht entnommen werden. Als mögliche Einflussfaktoren werden steigender wirtschaftlicher Druck und eine zunehmende Arbeitsverdichtung in den Kliniken diskutiert, die die Bereitschaft zur engen Zusammenarbeit beeinträchtigen könnten.