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Ausgabe 11/2025

Schulwegsicherheit: Ergebnisse einer Umfrage unter Eltern und Lehrkräften

Wie ist es um die Sicherheit auf dem Schulweg bestellt? Eine repräsen­tative Umfrage der DGUV unter Eltern und Lehrkräften liefert dazu Einschätzungen, benennt zentrale Herausforderungen und zeigt, welche Maßnahmen zur Verkehrssicherheit an Schulen bereits umgesetzt oder als besonders wirksam eingeschätzt werden.

Key Facts

  • Die DGUV hat Eltern mit schulpflichtigen Kindern sowie Lehrkräfte allgemeinbildender Schulen zum ­Thema Schulwegsicherheit befragt
  • Tempo-30-Zonen und verkehrsberuhigte Bereiche werden mehrheitlich als förderlich für die Schulwegsicherheit eingeschätzt
  • Die eigenständige Bewältigung des Schulwegs gilt laut Befragten als wichtigste Maßnahme zur Förderung der Verkehrssicherheit

Im ersten Halbjahr 2025 wurden 42.303 Unfälle auf dem Schulweg registriert – ein Anstieg von rund fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum mit 40.416 Fällen. Um mehr über die Sicherheit auf dem Schulweg zu erfahren, die Gründe für die Wahl bestimmter Verkehrsmittel nachzuvollziehen und mögliche Unfallursachen zu identifizieren, hat die DGUV eine repräsentative Befragung in Auftrag gegeben.

Methodisches Vorgehen

Die „forsa Gesellschaft für Sozialforschung und statistische Analysen mbH“ befragte bundesweit insgesamt 1.015 Eltern schulpflichtiger Kinder im Alter von 6 bis 16 Jahren sowie 1.036 Lehrkräfte an allgemeinbildenden Schulen.[1] Die Befragung beleuchtete genutzte Verkehrsmittel, die wahrgenommene Sicherheit auf dem Schulweg und bereits umgesetzte Präventionsmaßnahmen. Die Online-Erhebung wurde vom 4. August bis 2. September 2025 über das repräsentative Panel „forsa.omninet“ durchgeführt. Die Auswahl der Teilnehmenden erfolgte per Zufallsstichprobe.

Der Weg zur Schule

Zunächst wurden die Eltern gefragt, wie weit Kinder zur Schule unterwegs sind. Die Abfrage zur Entfernung zur Schule erfolgte offen und numerisch. Befragte konnten dabei einen Wert in ganzen Kilometern angeben. Auf dieser Grundlage wurden dann die vorliegenden Kategorien gebildet.

Knapp ein Drittel der Eltern (29 Prozent) schätzt die Entfernung zur Schule ihres Kindes auf weniger als 2 Kilometer, etwa ein Viertel (25 Prozent) auf 2 bis 3 Kilometer. Weitere 15 Prozent nennen 4 bis 5 Kilometer, 18 Prozent 6 bis 10 Kilometer und 12 Prozent mehr als 10 Kilometer. Im Durchschnitt beträgt der Schulweg 5 Kilometer.

Dabei unterscheiden sich die Distanzen je nach Schulform: Grundschulkinder legen im Schnitt 2,8 Kilometer zurück, Schülerinnen und Schüler weiterführender Schulen mehr als 6 Kilometer. Auch der Wohnort spielt eine Rolle: In kleinen Gemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern liegt die durchschnittliche Entfernung zur Schule bei 8 Kilometern, in Großstädten mit über 500.000 Einwohnern bei rund 3,1 Kilometern.

Welche Verkehrsmittel genutzt werden, hängt maßgeblich von der Länge des Schulwegs ab. Je nach Distanz kommen unterschiedliche Optionen zum Einsatz: Kinder mit einem Schulweg von weniger als 2 Kilometern gehen überwiegend zu Fuß (67 Prozent). Das Fahrrad wird vor allem bei Distanzen zwischen 2 und 5 Kilometern genutzt, der ÖPNV ab etwa 4 Kilometern. Bei Schulwegen über 10 Kilometern werden Kinder besonders häufig mit dem Auto gebracht (Abbildung 1).

Insgesamt geben 26 Prozent der Eltern an, dass ihr Kind im letzten Schuljahr hauptsächlich zu Fuß zur Schule kam. Jeweils 20 Prozent nennen den ÖPNV beziehungsweise den Schulbus, 18 Prozent das Fahrrad, 13 Prozent das Auto und 3 Prozent den Roller als wichtigstes Transportmittel (Abbildung 1).

Transportmittel zur Schule, auch in Abhängigkeit von der Länge des Schulwegs
Transportmittel zur Schule, auch in Abhängigkeit von der Länge des Schulwegs | Quelle: DGUV

Die gesetzliche Unfallversicherung befürwortet, dass Kinder lernen, den Schulweg selbstständig zu bewältigen, denn eigenständige Mobilität fördert nicht nur die Selbstständigkeit, sondern auch die Verkehrskompetenz und das Sicherheitsbewusstsein der Kinder. Entsprechend wurde auch erhoben, ob Kinder begleitet werden: 36 Prozent der Eltern geben an, dass ihr Kind den Schulweg in der Regel allein zurücklegt. Am häufigsten erfolgt der Schulweg gemeinsam mit anderen Kindern (42 Prozent). 21 Prozent geben eine Begleitung durch eine erwachsene Person an. Mit zunehmendem Alter steigt die Häufigkeit, dass Kinder den Schulweg eigenständig bewältigen. Gleichzeitig zeigt sich, dass längere Schulwege häufiger in Gruppen zurückgelegt werden.

Bei der Entscheidung für ein bestimmtes Verkehrsmittel spielen verschiedene Aspekte eine Rolle (Abbildung 2). Häufig genannt werden die Förderung der Selbstständigkeit (50 Prozent), Schnelligkeit (25 Prozent), körperliche Betätigung (23 Prozent), die Entscheidung des Kindes selbst (23 Prozent), soziale Kontakte (21 Prozent) und fehlende Alternativen (21 Prozent). Auffällig ist: Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, nennen am häufigsten die Sicherheit des Kindes als ausschlaggebenden Grund (42 Prozent) – noch vor Aspekten wie Schnelligkeit oder fehlenden Alternativen. Im Vergleich dazu betonen andere Eltern vor allem den Gewinn an Selbstständigkeit, soziale Kontakte und Bewegung (Abbildung 2).

Gründe für die gewählte Art der Fortbewegung
Abbildung 2: Gründe für die gewählte Art der Fortbewegung | Quelle: EIAG

Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto zur Schule bringen, nennen die Sicherheit als ausschlaggebenden Grund – noch vor Aspekten wie Schnelligkeit oder fehlenden Alternativen.

Schulwegsicherheit

Die zulässige Geschwindigkeit vor der Schule beeinflusst die wahrgenommene und tatsächliche Sicherheit des Schulwegs. Laut Elternangaben liegt bei 14 Prozent der Schulen eine verkehrsberuhigte Zone vor, bei 69 Prozent eine Tempo-30-Zone und bei 11 Prozent eine Tempo-50-Zone. Diese Einschätzung deckt sich weitgehend mit der der Lehrkräfte.

Auf einer vierstufigen Skala bewerten 30 Prozent der Eltern den Schulweg ihres Kindes als „sehr sicher“, 61 Prozent als „eher sicher“. 8 Prozent stufen ihn als „eher unsicher“ ein, 1 Prozent als „sehr unsicher“. Eltern, deren Kinder eine Schule in einer verkehrsberuhigten oder Tempo-30-Zone besuchen, geben etwas häufiger eine sehr hohe Sicherheitseinschätzung ab als jene mit Tempo-50-Zone vor der Schule.

Als größte Herausforderungen für die Verkehrssicherheit nennen Eltern das Fehlen durchgehender Fahrradwege (56 Prozent), das Überqueren ungesicherter oder verkehrsreicher Straßen (51 beziehungsweise 38 Prozent), marode Wege (32 Prozent), schwer einsehbare Kreuzungen (30 Prozent), mangelnde Zuverlässigkeit bei Bus und Bahn (27 Prozent) sowie die Länge des Schulwegs (21 Prozent). Weitere genannte Probleme sind mangelnde Sicherheit im ÖPNV, das Überqueren von Bahngleisen und eine unsichere Umgebung. Eltern, die den Schulweg als unsicher einschätzen, nennen diese Punkte deutlich häufiger.

In einer offen formulierten Frage nach der zuletzt als besonders gefährlich wahrgenommenen Verkehrssituation im Schulumfeld berichten Lehrkräfte vor allem von konkreten Gefahrensituationen, die durch Autos und das Verhalten von Eltern verursacht wurden (47 Prozent). Genannt werden unter anderem das Parken oder Halten an gefährlichen Stellen, Verkehrschaos durch „Eltern-Taxis“, überhöhte Geschwindigkeit und Regelverstöße.

Lehrkräfte berichten von konkreten Gefahren­situationen,
die durch das Verhalten von Eltern verursacht wurden.

Das Thema „Eltern-Taxis“ – also Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto so nah wie möglich an die Schule bringen, auch wenn dies zu hohem Verkehrsaufkommen vor dem Schulgelände führt – wurde in der Befragung ebenfalls behandelt. 65 Prozent der Eltern sehen darin ein Problem – besonders häufig an Grundschulen. Nur 33 Prozent geben an, dass Maßnahmen ergriffen wurden. Von diesen nennen 65 Prozent Informationskampagnen, 42 Prozent Zufahrtsbeschränkungen und 40 Prozent Hol- und Bringzonen.

Eine starke Verringerung des Verkehrsaufkommens durch diese Maßnahmen sehen allerdings nur wenige (6 Prozent der Eltern, 3 Prozent der Lehrkräfte); rund ein Drittel berichtet von einer leichten Verbesserung, die Mehrheit sieht keine Veränderung. Befragte, an deren Schulen verkehrstechnische Maßnahmen ergriffen wurden, haben dabei überdurchschnittlich häufig den Eindruck, dass sich das Verkehrsaufkommen verringert hat.

Verkehrssicherheit an der Schule

Auf die Frage, welche Maßnahmen zur Verkehrssicherheit es an der Schule ihres Kindes gibt, berichten Eltern vor allem von bewährten Maßnahmen wie der Radfahrprüfung (46 Prozent) und der Mobilitäts- und Verkehrserziehung (39 Prozent). Etwa ein Fünftel nennt Aktionstage (18 Prozent), Schülerlotsen (15 Prozent) oder eine Zusammenarbeit mit Eltern und der Kommune (ebenfalls 15 Prozent). Besonders häufig kommen solche Angebote an Grundschulen zum Einsatz. Gleichzeitig geben 20 Prozent der Eltern an, dass es an der Schule ihres Kindes gar keine entsprechenden Maßnahmen gibt.

Auch Lehrkräfte nennen vor allem Mobilitäts- und Verkehrserziehung (54 Prozent) und die Radfahrprüfung (46 Prozent). Aktionstage und Kooperationen mit Eltern oder der Kommune werden von 28 Prozent genannt, Schülerlotsen von 13 Prozent. Weitere Angebote wie die Zusammenarbeit mit der Polizei oder eine Busbegleitung spielen nur eine untergeordnete Rolle.

Ein bewährtes Mittel zur Verbesserung der Verkehrssicherheit ist der sogenannte Schulwegeplan. Er stellt auf einer Karte sichere Wege zur Schule dar, markiert Gefahrenstellen und enthält Hinweise zum richtigen Verhalten im Straßenverkehr. In einigen Bundesländern – darunter Baden-Württemberg und Hessen – ist die Erstellung solcher Pläne für Grundschulen sogar verpflichtend.

Ein bewährtes Mittel zur Ver­besserung der Verkehrssicherheit ist der Schul­wege­plan. Doch nur 20 Prozent der Eltern berichten, dass es an der Schule ihres Kindes einen solchen gibt.

Trotzdem berichten nur 20 Prozent der Eltern – vor allem mit Grundschulkindern – davon, dass es an der Schule ihres Kindes einen Schulwegeplan gibt. 44 Prozent verneinen dies, 36 Prozent wissen es nicht. Auch unter den Lehrkräften ist die Quote niedrig: Nur 27 Prozent geben an, dass es einen solchen Plan gibt, während über die Hälfte (51 Prozent) dies verneint und 22 Prozent unsicher sind.

Maßnahmen zur Erhöhung der Verkehrssicherheit

Eltern und Lehrkräfte wurden gebeten, Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit auf Schulwegen zu bewerten. Beide Gruppen sehen in der Ermutigung der Kinder, den Schulweg eigenständig zu bewältigen, das größte Potential (54 beziehungsweise 60 Prozent). Dahinter steht die Annahme, dass Kinder durch regelmäßiges eigenständiges Zurücklegen des Schulwegs mehr Sicherheit im Straßenverkehr entwickeln – durch Übung, Erfahrung und Routine.

Häufig genannt wurden zudem Tempo-30-Zonen, gut sichtbare Querungsstellen und sogenannte „Elternhaltestellen“, die jeweils von rund der Hälfte als wirksam eingeschätzt wurden. Auch eine klare Kommunikation gegen das Bringen mit dem Auto sowie das gemeinsame Üben des Schulwegs mit den Eltern werden als hilfreich bewertet (39 beziehungsweise 36 Prozent). Weitere genannte Maßnahmen sind dauerhafte Verkehrsüberwachung, Schulstraßen und Investitionen in Infrastruktur.

Im Elternhaus sprechen laut Befragung rund 60 Prozent der Eltern regelmäßig mit ihren Kindern über sicheres Verhalten im Straßenverkehr, weitere 36 Prozent gelegentlich. Eltern jüngerer Kinder tun dies häufiger. Auch Ablenkung durch Smartphones ist Thema: Etwa die Hälfte der Eltern spricht regelmäßig darüber, ein Drittel gelegentlich. Lehrkräfte berichten, dass sie dieses Thema ebenfalls im Unterricht aufgreifen – insgesamt 39 Prozent, davon 6 Prozent regelmäßig und 33 Prozent gelegentlich. 5 Prozent der Lehrkräfte geben an, dass es in den letzten zwei Schuljahren Schulwegunfälle durch Smartphone-Nutzung gab.

Risiken durch laute Musik oder Noise-Cancelling-Kopfhörer werden von jeweils rund einem Drittel der Eltern regelmäßig oder gelegentlich thematisiert. Auch Lehrkräfte greifen diese Aspekte auf: 9 Prozent regelmäßig, 35 Prozent gelegentlich.  

Beim Thema Helmtragen zeigen sich unterschiedliche Einschätzungen: 74 Prozent der Eltern geben an, dass ihr Kind regelmäßig einen Helm trägt, wenn es mit dem Rad oder Roller zur Schule fährt. Lehrkräfte schätzen dies etwas zurückhaltender ein – 52 Prozent gehen davon aus, dass (fast) alle oder die überwiegende Mehrheit der radfahrenden Schülerinnen und Schüler einen Helm tragen. 

Fazit

Die Ergebnisse zeigen, dass die Sicherheit auf dem Schulweg stark von der Gestaltung des Verkehrsraums und der pädagogischen Begleitung abhängt. Tempo-30-Zonen und verkehrsberuhigte Bereiche werden mit höherer Sicherheit assoziiert, während infrastrukturelle Mängel und Tempo-50-Zonen häufiger als problematisch gelten. Maßnahmen zur Verkehrserziehung finden sowohl im Elternhaus als auch in der Schule statt, könnten jedoch breiter verankert werden – insbesondere der Schulwegeplan, der bislang nur vereinzelt zum Einsatz kommt. Die eigenständige Bewältigung des Schulwegs durch Kinder wird als besonders wirksam eingeschätzt, da sie zur Entwicklung von Routine und Verkehrskompetenz beiträgt.

Fußnoten

  1. Barometer Bildungswelt 2025 – Schulwegsicherheit. DGUV, 2025. (abgerufen am 24.09.2025). | https://publikationen.dguv.de/DguvWebcode/index/query/p022783

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