Editorial

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

was verbindet so unterschiedliche Weltregionen wie Kolumbien, Sambia und die pakistanische Provinz Punjab? Alle drei liefern gute Beispiele dafür, wie die Strategie der Vision Zero sich über den Erdball verbreitet und immer mehr Menschen überzeugt.

In Kolumbien hat sich ein großer Energieversorger die „7 Goldenen Regeln“ der Vision Zero zu eigen gemacht und seinen Arbeitsschutz neu aufgebaut. Das Ergebnis spricht für sich: Nach mehr als drei Jahren erfolgreicher Umsetzung war kein tödlicher Unfall mehr zu beklagen und die Unfallhäufigkeit am Arbeitsplatz sank um 68 Prozent. Die politisch Verantwortlichen im Punjab haben sich ähnlich ambitionierte Ziele gesetzt: Beispielsweise soll die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle bis 2032 um 75 Prozent gesenkt werden mithilfe der von der Regierung im Punjab angenommenen Strategie der Vision Zero. Sie soll später auf ganz Pakistan übertragen werden. In unserem dritten Beispiel Sambia haben sich verschiedene Branchen verpflichtet, die Strategie umzusetzen, und auch der Bildungssektor wurde in Sambia einbezogen unter dem Motto: „Safe Workers of Tomorrow.“

Im Jahr 2017 hat die Internationale Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS) im Rahmen des „Weltkongresses für Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit“ in Singapur die Kampagne der Vision Zero ins Leben gerufen. Im Zentrum stehen „7 Goldene Regeln“ und darauf basierende Leitfäden, die eine gute Führungskultur, menschengerechte Arbeit, Partizipation und Nachhaltigkeit in der Unternehmenskultur in den Mittelpunkt rücken. Aus der Kampagne hat sich eine Strategie entwickelt, die aufgrund ihrer Einfachheit, ihrer flexiblen Umsetzbarkeit auf Länder-, Sektoren- oder Unternehmensebene und nicht zuletzt dank ihrer emotionalen Ansprache zum globalen Erfolg wurde. Wer hätte 2017 damit gerechnet, dass die „7 Goldenen Regeln“ der Vision Zero zum Allgemeingut werden könnten?

Die Botschaft ist: Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit darf nicht nur ein Anliegen von Fachleuten sein, sondern muss tagtäglich besprochen und gelebt werden in den Unternehmen und Bildungseinrichtungen. Es bedarf eines neuen Denkens und einer veränderten Haltung gegenüber dem Thema Sicherheit und Gesundheit. Kurz: Wir brauchen eine Präventionskultur an möglichst vielen Orten auf der Welt. Wir sind noch lange nicht am Ziel, aber die vergangenen Jahre und die vielen guten Beispiele machen Mut. 

Ihr

Dr. Stefan Hussy

Hauptgeschäftsführer der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung