Schwerpunkt
Ausgabe 3/2023

Gewalt

Schwerpunkt

„Es müssen klare Grenzen gezogen werden“

Key Facts:
  • Laut Polizeilicher Kriminalstatistik sind Delikte wie leichte Körperverletzung und Beleidigung gestiegen
  • Schwere Gewaltdelikte, beispielsweise Sexualdelikte, haben abgenommen
  • Dass Verhaltensweisen wie Beleidigung, Mobbing oder tätliche Angriffe nicht toleriert werden, können Betriebe und öffentliche Einrichtungen in einem Kodex festlegen

Wo liegen die Ursachen für Gewalt und was können Betriebe oder Schulen tun, um Gewalt vorzubeugen? Ein Gespräch mit Professor Thomas Bliesener vom Kriminologischen Forschungsinstitut Niedersachsen (KFN).

Sexuelle Belästigung und Gewalt im Gesundheits- und Sozialwesen

Key Facts:
  • Sexuelle Belästigung und Gewalt gegen Beschäftigte im Sozial- und Gesundheitswesen durch zu Betreuende oder zu Pflegende ist weitverbreitet
  • Je häufiger sexuelle Belästigung und Gewalt erlebt wird, desto größer ist die psychische Beeinträchtigung der Betroffenen
  • Betriebe müssen Maßnahmen zum Schutz der Beschäftigten vor "Sexueller Belästigung und Gewalt" ergreifen

Beschäftigte im Sozial- und Gesundheitswesen müssen besser über den Umgang mit sexueller Belästigung und Gewalt bei der Arbeit informiert und aufgeklärt werden. Das zeigt eine Studie der Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege (BGW). Zudem sollten Präventions- und Nachsorgemaßnahmen in den Betrieben umgesetzt werden.

Versicherungsschutz bei gewaltsamen Auseinandersetzungen

Key Facts:
  • Wenn allein private Beweggründe für die tätliche Auseinandersetzung verantwortlich sind, ist ein Arbeitsunfall abzulehnen
  • Auch ein Angriff unter Kollegen und Kolleginnen kann ein Arbeitsunfall sein; es kommt auf den sachlichen Zusammenhang mit der versicherten Tätigkeit an
  • Fortgesetzte psychische Gewalteinwirkung, etwa in Form von Mobbing, erfüllt grundsätzlich weder die Voraussetzungen eines Arbeitsunfalls noch die einer Berufskrankheit

Ein Arbeitsunfall ist als Unfall einer versicherten Person infolge der versicherten Tätigkeit definiert. Unter welchen Bedingungen können tätliche Auseinandersetzungen als Versicherungsfall in der gesetzlichen Unfallversicherung anerkannt werden? Eine Annäherung in Beispielen.

Gewalt an Hochschulen – eine nicht hinnehmbare Normalität

Key Facts:
  • Psychische und sexualisierte Gewaltereignisse sind an Hochschulen deutlich häufiger anzutreffen als Fälle physischer Gewalteinwirkung
  • Für eine wirksame Gewaltprävention ist zu berücksichtigen, dass sich Hochschulen in wesentlichen Punkten von anderen Betrieben und Einrichtungen unterscheiden
  • Hochschulen können auf Handlungshilfen und Instrumente zurückgreifen, die zur Gewaltprävention für andere Branchen entwickelt wurden und sich an hochschulspezifische Bedürfnisse anpassen lassen

Der Begriff Gewalt wird oft mit körperlichen Auseinandersetzungen und Übergriffen verbunden. Gewalt hat jedoch viele unterschiedliche Ausprägungen, die an Hochschulen mehr und mehr eine Rolle spielen. Welche spezifischen Merkmale weist der Arbeits- und Lernort Hochschule auf, die für eine wirksame Gewaltprävention berücksichtigt werden müssen?

Gewalt in der Pflege

Key Facts:
  • Verbale, nonverbale und körperliche Gewalt durch Pflegebedürftige stellen relevante Gefährdungen für das Pflegepersonal dar
  • Eine gute Präventionskultur schützt nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die zu Pflegenden, die ebenfalls Opfer von Gewalthandlungen werden können
  • Gewaltpräventionskonzepte müssen berücksichtigen, dass die „Täterinnen und Täter“ häufig aufgrund ihrer Erkrankung oder Beeinträchtigung übergriffig werden

Gewaltpräventionskonzepte in der Pflege haben bislang oft nur die Pflegebedürftigen im Blick. Der Arbeitsschutz fordert aber auch den Schutz der Beschäftigten. Gewalthandlungen in der Pflege können sowohl von Pflegekräften als auch von Pflegebedürftigen ausgehen. Es ist daher erfolgversprechender, Gewaltprävention für beide Zielgruppen gleichermaßen zu betreiben. 

Gewaltprävention im öffentlichen Dienst in Nordrhein-Westfalen

Key Facts:
  • Aggressivität gegen Beschäftigte im öffentlichen Dienst gehört zum Alltag
  • Beschäftigte müssen auch in kritischen Situationen handlungskompetent sein
  • Nachsorge nach Gewalt-Ereignissen ist ein wichtigen Baustein im Gesamtkonzept zu Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit

Im öffentlichen Dienst in Nordrhein-Westfalen sorgen rund eine Million Beschäftigte dafür, dass die Menschen gut leben können und bilden damit einen Grundpfeiler des Gemeinwesens. Dabei werden sie immer wieder mit aggressivem Verhalten, verbalen Anfeindungen und physischen Angriffen konfrontiert. Doch was tun?

Gegen Gewalt in Handel und Logistik – eine Bestandsaufnahme für die Prävention

Key Facts:
  • Mitarbeitende aus Handel und Logistik sind häufig unangemessenem Verhalten betriebsfremder Personen ausgesetzt
  • Viele Mitgliedsbetriebe haben bereits Maßnahmen ergriffen, um ihre Mitarbeitenden zu schützen
  • Eine Umfrage der BGHW soll einen Überblick geben über übergriffiges, gewalttätiges Verhalten betriebsfremder Personen

Die Zahl der Gewaltberichte ist in den vergangenen Jahren gestiegen. Für eine zielgerichtete Unterstützung der Mitgliedsunternehmen der Berufsgenossenschaft Handel und Warenlogistik (BGHW) fehlen jedoch belastbare Daten über Qualität und Quantität von Gewaltereignissen (zum Beispiel Beleidigungen, Beschimpfungen, Bedrohungen). Ein Projekt widmete sich daher dieser Thematik.

Die Ausnahme darf nicht zur Regel werden – Prävention von Gewalt bei der Arbeit

Key Facts:
  • 2021 wurden fast 12.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle durch menschliche Gewalt, Angriff und Bedrohung gemeldet
  • Wichtig ist eine schnelle Hilfe für Betroffene nach einem Gewaltereignis
  • Gefährdungsbeurteilung gilt als wichtigstes Instrument der Prävention von Gewaltereignissen

Gewalt hat viele Facetten, die Folgen sind für die Betroffenen gravierend. Die erfolgreiche Prävention von Gewalt bei der Arbeit ist daher entscheidend; sie setzt voraus, Aufmerksamkeit auf das Thema zu lenken und eine konsequente Haltung gegen jegliche Form von Gewalt bei der Arbeit einzunehmen. Erst auf dieser Grundlage können Präventionsmaßnahmen gefunden werden, die wirken.

Erste globale Daten über Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz

Key Facts:
  • Mehr als jede fünfte Person ist weltweit Opfer von Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz
  • Das ILO-Übereinkommen 190 ist ein zentraler völkerrechtlicher Meilenstein im Kampf gegen Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz
  • Staaten, Sozialpartner und Unternehmen müssen konkrete Schritte zum Schutz der Arbeitenden unternehmen

Die erste globale empirische Studie wirft ein Schlaglicht auf das Ausmaß von Gewalt und Belästigung am Arbeitsplatz und ihre komplexen Wurzeln. Das ILO-Übereinkommen 190 (engl. Convention 190, C190) aus dem Jahr 2019 gibt den völkerrechtlichen Rahmen vor und dient als Regelwerk für Vorbeugung, Abhilfe und Beseitigung von Gewalt und Belästigung in der Arbeitswelt, einschließlich genderbasierter Gewalt und Belästigung.

Gewaltunfälle am Arbeitsplatz – Zahlen aus der Unfallanzeigen-Statistik der DGUV

Key Facts:
  • Im Jahr 2021 wurden knapp 12.000 meldepflichtige Arbeitsunfälle durch Gewalteinwirkung gemeldet – ein leichter Rückgang gegenüber den Vorjahren
  • Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen sind in besonders hohem Maße von Gewalt am Arbeitsplatz betroffen
  • Besonders häufig sind auch Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter von Gewaltunfällen betroffen

Die Arbeitsunfallanzeigen der gesetzlichen Unfallversicherung zeigen: Gewalt am Arbeitsplatz ist in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Frauen sind häufiger als Männer Opfer von Gewaltunfällen. Besonders viele Fälle gibt es im Gesundheits- und Sozialwesen sowie im öffentlichen Personenverkehr.

Gewaltprävention in Bildungseinrichtungen am Beispiel des Programms MindMatters

Key Facts:
  • Gewalt an Schulen wirkt belastend auf alle Beteiligten
  • Erfolgreiche Gewaltprävention orientiert sich an Qualitätskriterien
  • Schulische Gewaltprävention erfordert einen nachhaltigen Schulentwicklungsprozess zum Beispiel mit dem Programm MindMatters

Gewalt tritt in Schulen auf unterschiedlichen Ebenen auf und wird als Belastung wahrgenommen. Die Auswahl eines geeigneten Programms zur Gewaltprävention stellt für Schulen eine Herausforderung dar. MindMatters erfüllt alle Qualitätskriterien und wirkt durch die Förderung der psychischen Gesundheit gewaltpräventiv.

Beleidigt, bedroht, geschlagen

Key Facts:
  • Gewalt am Arbeitsplatz erleben vor allem Beschäftigte, die in ihrem Job direkten Kontakt zu Menschen haben
  • Einstieg in jedes Sicherheitskonzept ist die Grundsatzerklärung des Unternehmers beziehungsweise der Unternehmerin gegen Gewalt und eine Einschätzung der Gefährdungslage
  • Die Unfallversicherung Bund und Bahn bildet in offenen Seminaren Personen aus, die das Konzept der psychologischen Ersten Hilfe in ihre Betriebe tragen

Beschäftigte im Zuständigkeitsbereich der Unfallversicherung Bund und Bahn (UVB) sind immer wieder Übergriffen ausgesetzt: ob Kundenbetreuerin bei der Deutschen Bahn AG, Einsatzkräfte des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) oder Mitarbeiter der Bundesagentur für Arbeit (BA). Wie und wo kann die Prävention ansetzen, um Betriebe und Verwaltungen sowie Beschäftigte zu unterstützen?

Agenda

Möglichkeiten und Grenzen von künstlicher Intelligenz in der Arbeitswelt

Key Facts:
  • Künstliche Intelligenz (KI) kommt bereits heute in verschiedenen Anwendungen zum Einsatz
  • Der Einsatz von künstlicher Intelligenz hat in der Arbeitswelt das Potenzial, im Zusammenhang mit der Tätigkeit auftretende Gefahren zu reduzieren oder zu verhindern
  • Das Konzept der vertrauenswürdigen künstlichen Intelligenz definiert Kriterien und Standards für einen verantwortungsvollen Umgang mit KI

Künstliche Intelligenz verspricht in verschiedenen Lebens- und Arbeitsbereichen für den Menschen Aufgaben zu erleichtern, zu ersetzen oder sicherer zu machen. Damit hat sie das Potenzial, auch in der Prävention gewinnbringend zu unterstützen. Der Beitrag behandelt die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von künstlicher Intelligenz.